252 J Fünfzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Luther. Und Luther war entschlossen, das Land zu meiden:
werde er gebannt, so werde er gehen, „ungewiß, wohin, viel⸗
mehr sehr gewiß, wohin: deun Gott ist überall.“ Zugleich
vollzog er, da der Papst ihn ungeachtet seiner Appellation
verstieß, die Berufung an ein allgemeines Concilium, den
28. November 1518.
In diesem Augenblick erschien in Deutschland ein säch—
sischer Edelmann, der päpstlicher Kämmerer und Notar ge—
worden war, Karl von Miltitz. Er war beauftragt, dem Kur—
fürsten Friedrich die goldene Rose zu überreichen — denn die
Kurie bedurfte für ihre politischen Ziele des guten Willens
Friedrichs —, zugleich aber sollte er die Auslieferung Luthers
betreiben. Aber kaum hatte er die Grenzen seines Vater—⸗
landes überschritten, so begriff er, daß es unmöglich war, die
päpstlichen Befehle gegen Luther auszuführen. Wie anders
sah diese geistige Bewegung in der Nähe aus, als man in
Rom träumte: es handelte sich nicht mehr um Luther, son—
dern um die Nation; unverkennbar war die allgemeine Wir—
kung der Schriften des Reformators. Die Kraft des ent—
schlossenen Wortes rettete Luther diesmal; sein Wort war seine
That, wie auch später: kein Wunder, wenn er immer kühner
vorging im Vertrauen auf den Gott, der aus ihm zeugte.
Der Kämmerer von Miltitz, stets politischen Seitensprüngen
zugeneigt, glaubte, von seinem Auftrag abgehen zu müssen; er
schmeichelte sich, Luther in gütlichen Verhandlungen zur Ruhe
bringen zu können; Anfang des Jahres 1519 trafen Edelmann
und Mönch in Altenburg zusammen.
Luther empfand die Nähe des Höflings unheimlich;
gleichwohl ließ er sich dazu herbei, seinen Handel dem Trierer
Erzbischof, Richard von Greifenclau, einem Freunde Kurfürst
Friedrichs, zu unterbreiten und bis zum Abschluß dieser Unter—
suchung Schweigen zu geloben, falls seine Gegner ebenfalls
schwiegen. Zugleich ging er darauf ein, einen Brief an den
Papft zu schreiben, der diesen geneigt machen sollte, die von
Miltitz eingeleiteten Verhandlungen zu bestätigen. Luther hat