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Union kurz vor dem Weltkrieg mit ihren Kapitalbedürfnissen
auf die zwei übrigen exportkapitalistischen Länder Europas,
Frankreich und die Schweiz angewiesen,
Für Frankreichs Wiederauftreten auf dem nordameri-
kanischen Effektenmarkt, von dem es sich, von wenigen
Ausnahmen abgesehen, hundertundzwanzig Jahre fernge-
halten hatte!), waren nicht nur wirtschaftliche, sondern
auch psychologische Momente bestimmend. Französische Ka-
pitalisten hatten in den letzten Jahrzehnten enorme Summen
an den verschiedenen Staatsanleihen der alten Welt verloren.
In Spanien + + +00000+0404 4 1874 3600 Mill. Fr.
In der Türkei +... .. ++ 1876 2000 » »
In Südamerika und Tunis . - - 1880—90 1000 „ »
6600 Mill. Fr.
Dazu kamen die am Goldminenmarkt eingebüßten
Summen, die am Einführungskurs der in Paris notierten An-
teile von 154 Gesellschaften gemessen 3000 Millionen Fr.
betrugen ?), und die am Kursrückgang der russischen und
französischen Rente, sowie sicherer, heimischer Eisenbahn-
anteile, freilich meistens nur auf dem Papier, erlittenen
Verluste, die sich Ende 1910 auf 5500 Millionen Franks be-
liefen®). Es war daher nicht verwunderlich, daß sich eın
Teil des französischen Kapitalüberflusses dem nordameri-
kanischen Effektenmarkt zuwandte, besonders da die all-
gemeine Lebensteuerung bei vielen Kapitalisten den Wunsch
nach höher verzinslichen Anlagen weckte. Als politisches
Moment ist zu erwähnen, daß konservativ und klerikal ge-
sinnte Kreise infolge der nach ihrer Ansicht zunehmenden
Schwäche der Regierung gegenüber dem Sozialismus und
der rücksichtslosen Konfiskation aller Kirchengüter ein in
französischen Mobilien oder Grundeigentum angelegtes Ver-
mögen nicht mehr für sicher hielten.
Machte die Plazierung amerikanischer Werte wegen des
großen Kapitalreichtums 4) des Landes und der in allen De-
1) Von 1777—1783 hatte Frankreich 6,3 Millionen Dollar amerika-
nischer Kriegsanleihen übernommen, weit mehr als Holland und Spanien,
and war dadurch der wichtigste Bundesgenosse des jungen Staates ge-
worden.
2) L. G. Chiozza Money, la richesse en Angleterre. Revue &conomique
internationale. 5. Jahrgang, Bd. 4. 5. 59.
3) Jules Doumergue, Cinq Milliards et demi sur les placements de
tout repos. La Reforme &conomique. 20. Jahrgang (1911). S. 1 u. 2.
4) Nach Leroy-Beaulien betrug das jährliche Einkommen des fran-
zösischen Volkes vor dem Weltkrieg 25—27 Milliarden Francs, von denen
2500 Millionen zurückgelegt. wurden. 500—600 Millionen wurden in Land
und Gebäuden investiert, 100—180 Millionen dienten zum Kauf von Leib-