5C2 Kap. XX. Die handelspolitischen Systeme.
tärische Macht als der wichtigste Faktor hervor, und es war dann natür-
lich, daß überhaupt alle handelspolitischen Maßnahmen dem Bestreben
die Macht des Staates zu stärken, untergeordnet wurden. Eine Reihe
von Maßnahmen, die sonst handelspolitisch schwer zu begründen sind,
werden durch dieses Ziel, das der Staat sich gesetzt hatte,xrechtfertigt
oder jedenfalls erklärt. Für die damalige Auffassung war der gesamte
Welthandel eine gegebene Größe, die schwerlich vermehrt werden
könnte. Eine Erweiterung des Handels des eigenen Landes konnte
deshalb hauptsächlich nur durch Eroberung eines Teils des Handels
der Nachbarstaaten gewonnen werden. Diese -Art der Erweiterung des
eigenen Handels wurde auch als die vorteilhafteste betrachtet, weil
dadurch auch der Handel der Nachbarn vermindert wurde, und also
die politische Macht derselben beschränkt werden konnte. Es liegt auf
der Hand, daß diese Auffassung und der Einfluß, den sie auf das Ziel
der Handelspolitik ausübte, auch von ausschlaggebender Bedeutung
in bezug auf die Wahl der handelspolitischen Mittel werden mußte.
Bekanntlich hat die Machtpolitik auch die innere Wirtschaftspolitik
wesentlich beeinflußt. Es galt im Interesse der militärischen Kraft-
entfaltung die Volksmenge auf eine möglichst hohe Ziffer zu bringen,
also nicht nur die Volksvermehrung, möglichst zu befördern, sondern
auch Beschäftigung für diese wachsende Volkszahl zu beschaffen,
damit sie dauernd im Lande behalten werden und zur Stärkung der
militärischen Macht des Staates beitragen könnte. Selbstverständlich
mußten solche Bestrebungen auch auf die Gestaltung der äußeren
Handelspolitik einen Einfluß haben.
Die Abhängigkeit der äußeren Handelspolitik von den Zielen,
die der Staat sich als Vertreter des Gemeinschaftsinteresses setzte,
und also vom materiellen Inhalt dieses gemeinschaftlichen Interesses,
tritt besonders deutlich hervor in der Geldpolitik des neuen National-
staates. Seine Förderung der Tauschwirtschaft war gleichzeitig mit
Notwendigkeit eine Förderung der Geldwirtschaft. Für das einzelne
Land mußte aber die Entwicklung der Geldwirtschaft unter den da-
maligen Verhältnissen wesentlich von einer reichen Zufuhr von metalli-
schem Geld abhängen. Eine lebhafte Geldzirkulation war nach den An-
schauungen der Zeit für die Machtpolitik des Staates von entscheidender
Bedeutung. Denn je öfter das Geld den ganzen Wirtschaftskörper
durchströmte, desto öfter hatten die Bürger Gelegenheit, Steuer zu be-
zahlen; und je stärker die Geldwirtschaft, besonders in den großen
Handelszentren, entwickelt wurde, je leichter war es für die Könige,
bei Bedarf Anleihen zu bekommen. Unter solchen Umständen mußten
sie großen Wert darauf legen, daß das Geld in das Land hineinkam.
Anfänglich wachte man nach mittelalterlichem Muster darüber, daß jedes
Geschäft für sich einen Überschuß in Geld zugunsten des eigenen Landes
gab, oder daß die Gesamtgeschäfte mit einem ‚,Gast‘“ zu einem solchen
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