Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

sonstigen Dienst der Gendarmerie bleiben. Es mußte 
daher der Gendarmerie auch die notwendige alpine 
Ausbildung gegeben werden, Zu diesem Zwecke 
werden ‚alljährlich alpine Skikurse und hochalpine 
l’ührerkurse in verschiedenen Gletschergebieten ab- 
zchalten. Hand in Hand mit dieser Ausbildung erfolgt 
eine zweckmäßige alpine Ausrüstung, die nament- 
lich in den letzten Jahren voll ergänzt und verbessert 
wurde, da sie früher fast gänzlich fehlte und die teil- 
weise vorhandene nur sehr mangelhaft war. Heute, nach 
kaum 7jähriger Tätigkeit, ist ein Stamm von mehreren 
hundert Alpinisten und über 40 Hochalpinisten heran- 
gebildet, so daß die Gendarmerie in alpiner Hinsicht 
allen an sie herantretenden Aufgaben in jeder Hinsicht 
vollkommen gewachsen ist. Der alpine Dienst der Gen- 
darmerie erstreckt sich in erster Linie auf den Sicher- 
heitsdienst, der in weiterem Sinne auch die Mitwirkung 
bei der Verhütung alpiner Unfälle umfaßt. Der schwerste 
und verantwortungsvollste Dienst für die Gendarmerie 
im Gebirge ist aber deren Betätigung im alpinen 
Rettungswesen, bei dem die Gendarmeriebeamten 
oft als Leiter von Rettungsexpeditionen in aufopfernder 
Weise mitwirken. Entsprechend ausgebildeten und ge- 
eigneten Gendarmeriebeamten wird die Qualifikation 
„Gendarmeriealpinist”, bzw. „Gendarmeriehochalpinist” 
zuerkannt. Gendarmeriealpinisten und -hochalpinisten 
erhalten auch ein eigenes lNienstabzeichen. Ks darf 
wohl behauptet werden, daß die Vorkehrungen für den 
alpinen Sicherheits- und den alpinen Rettungsdienst in 
Jesterreich kaum von einem“ anderen Lande über- 
troffen werden dürften. 
Ferner wird auf sportlichem Gebiete die Ausbil- 
dung im Schwimmen und Rudern durch systema- 
sche Abhaltung von Kursen besonders gefördert, wobei 
auch hier das Augenmerk auf die Ausbildung im 
Rettungsdienste gelegt wird. Mit dieser Ausbildung 
wurde zuerst im Sommer 1924 bei den Posten längs der 
Donau begonnen, während sie heute schon allen pro- 
‚isorischen Gendarmen zuteil wird. 
Finen sehr wichtigen Fortschritt, sowohl vom Stand- 
punkte der Verkehrs- wie der eigentlichen Sicherheits- 
Polizei bedeutet die Ausrüstung der Gendarmerie mit 
eigenen Verkehrsmitteln. Im Jahre 1926 wurde hier mit 
der Auschaffung von 210 Fahrrädern der Anfang ge- 
macht, Ende 1928 werden schon mehr als 1300 zur Verfü- 
zung stehen. Insbesondere aber crhielt die Gendarmerie 
im Jahre 1928 eine größere Anzahl von Motorrädern mit 
Beiwagen. Selbstverständlich bildet der Ausbau der 
telephonischen Verbindung der Gendarmerieposten einen 
weiteren Gegenstand der Fürsorge. Heute ist bereits der 
größte Teil der Posten mit einer eigenen Sprechstelle 
versehen. Den Anforderungen des modernen Kriminal- 
lienstes wird bei der Bundesgendarmerie durch ent- 
iprechende Ausbildung der Gendarmeriebeamten auf 
liesem Gebiete durch Ausgestaltung clieses Dienstzweiges 
‚jelbst und durch Ausrüstung mit den einschlägigen 
Hilfsmitteln Rechnung getragen. Namentlich das Fahn- 
lungswesen, das durch die zu Beginn dieses Jahres 
ı1erausgegebene allgemeine Fahndungsvorschrift einheit- 
ich für das ganze Bundesgebiet neu geregelt wurde, 
1at auch in der Gendarmerie die ihm seiner Wichtigkeit 
ıach zukommende Würdigung gefunden. Zur besonderen 
\usgestaltung des kriminalpolizeilichen Dienstes gehörten 
‘chließlich auch die Vorsorgen für das Kriminal- 
ıundewesen, Photographie und Daktyloskopie, 
JTinsichtlich des Kriminalhundewesens ließen es 
lie budgetären Verhältnisse bisher leider nicht zu, diesen 
wertvollen Behelf des Sicherheitsdienstes entsprechend 
ıuszubauen. Vorläufig bestehen im Bereiche der Gen- 
Jarmerie fünf Polizeihundestationen. Auf dem Gebiete 
ler Photographie wurde im Jahre 1928 mit der An- 
‚chaffung von Photographenapparaten begonnen. Zur 
Verbesserung der daktyloskopischen Aufnahmen 
z;rhielten die Posten am Sitze der Bezirksgerichte ent- 
iprechende bessere Utensilien. 
In das Jahr 1924 fiel das 75 jährige Jubiläum der Er- 
ichtung einer Gendarmerie in Oesterreich. Bei diesem 
\nlasse wurden die Verdienste der Gendarmerie um 
staat und Volk von allen Seiten voll gewürdigt. Hic- 
ei bot sich auch die Möglichkeit, durch Errichtung 
sines Jubiläumsfonds für die Gendarmeriebeamten, deren 
Witwen und Waisen, eine mustergültige Wohlfahrtsein- 
ichtung ins Leben zu rufen. 
Die österreichische Bundesgendarmerie kann so wäh- 
end der ersten zehn Jahre der Republik auf eine reiche 
"ätigkeit zurückblicken. Die im steten Wachsen 
yegriffenen Erfolgziffern auf allen Gebieten des 
sicherheitsdienstes geben davon ein beredtes Zeugnis: 
Trotz aller Schwierigkeiten, die namentlich in der Be- 
schränktheit der dem Bunde zur Verfügung stehenden 
inanziellen Mittel begründet erscheinen, gelang es doch 
ınter dem Wirken von drei Gendarmeriezentral- 
lirektoren, Dr. Friedrich Gampp, vom ;Entstehen 
les jungen Staates bis 30. November 1022, Georg 
Drnauer, vom I. Dezember 1922 his 30. April 1924, und 
"ranz Nusk o, seit 30. April 1924, die Schlagkraft und Ver- 
vendbarkeit der Österreichischen Bundesgendarmerie zu 
srhalten und ihre FKinrichtungen stetig auszubaucp- 
such auf der Großen Polizeiausstellung in Berlin 1920 
var die österreichische Bundesgendarmerie würdig ver 
reten. Man gewann eingehenden Finblick in den Gen- 
larmeriedienst, der im Alpenlande Oesterreich — wie 
»ereits oben angedeutet — häufig im Hochgebirge unter 
Jen schwersten Verhältnissen versehen werden muß.
	        
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