Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Die Gesamtausgaben und Gesamteinnahmen der 
Jahre 1023 und 10928 können nicht ohne weiteres 
verglichen werden, weil im Jahre 1923 die Monopole 
und Betriebe formell anders behandelt worden sind 
als im Voranschlag 1028; überdies waren die Bundes- 
bahnen im Jahre 1923 bis I. Oktober noch im Betriebe 
des Bundes, daher auch in der Haushaltrechnung. 
Immerhin führt auch ein Vergleich des Aufwandes 
für die wichtigsten Aufwandszweige im Jahre 1023 
mit jenem nach dem Voranschlag 1028 die Fortschritte 
vor Augen. 
Für das Unterrichtswesen wurden aus Bundesmitteln 
im Jahre 10923 235 Millionen Schilling ausgegeben, 
wärend im Jahre 1928 551 Millionen Schilling vor- 
gesehen sind. Dieser Aufwand betrifft lediglich das 
Mittelschul- und Hochschulwesen, während der Volks- 
schulaufwand von den Ländern, bzw. den Gemeinden 
zu bestreiten ist. 
Das Ressort der sozialen Verwaltung ist in der 
Nachkriegszeit zum großen Teile vor ganz neue Auf- 
gaben gestellt worden, es kann daher von einem 
Wiederaufbau nicht die Rede sein. Drei Hauptauf- 
gaben sind es, die diesem Ressort obliegen: die 
Kriegsbeschädigtenfürsorge, die: Sozialversicherung 
und das Volksgesundheitswesen. Die Kriegsbeschä- 
digtenfürsorge konnte dank der günstigen Entwicklung 
der Staatsfinanzen von Jahr zu Jahr mit größeren 
Mitteln bedacht werden. Im Jahre 1923 wurden hiefür 
rund 37 Millionen Schilling ausgegeben, während der 
Voranschlag 1928 rund 69 Millionen Schilling vor- 
sieht. Der Nettoaufwand für Volksgesundheit zeigt 
in der gleichen Zeit eine Steigerung von 17 Millionen 
Schilling auf 26 Millionen Schilling, wobei zu berück- 
zichtigen ist, daß die Krankenfürsorge nur zum Teil 
dem Bunde zur Last fällt. 
Aus dem Vergleich des Aufwandes für die Sozial- 
versicherung in den verschiedenen Jahren kann nicht 
ohne weiteres ein Schluß auf den Umfang der Leistung 
gezogen werden. Es drückt sich in diesen Zahlen 
einerseits das Maß der Arbeitslosigkeit in den ver- 
schiedenen Jahren aus, andererseits darf nicht über- 
sehen werden, daß die gesetzlichen Bestimmungen 
über die Verteilung des Aufwandes für die Arbeits- 
losenfürsorge einschneidende Änderungen erfahren 
haben. 
Die von Jahr zu Jahr steigende Fürsorge für die 
wirtschaftlichen Ressorts kommt in den Aufwands- 
beträgen des Landwirtschaftsministeriums und des 
Handelsministeriums klar zum Ausdruck. Einschließlich 
der als Investitionen gebuchten Aufwendungen des 
Landwirtschaftsressorts zeigt das Jahr 1023 einen 
Gesamtaufwand von 1l’3 Millionen Schilling, während 
wir im Voranschlage 10928 den Betrag von 42 Mil- 
lionen Schilling finden. Allerdings sind seit dem Jahre 
1925 die bis dahin vom Handelsressort bestrittenen 
Ausgaben des Wasserbaudienstes in das Budget 
des Landwirtschaftsministeriums überstellt worden. 
Der Aufwand für Handel, Gewerbe, Industrie und 
Bauten betrug im Jahre 1023 insgesamt 28‘4 Millionen 
Schilling, der Voranschlag 1928 lautet (einschließlich 
der Investitionen) auf 76'°3 Millionen Schilling (ohne 
Verkehrswesen). 
Die beiden wirtschaftlichen Ressorts zusammen 
zeigen im Jahre 1928 (Voranschlag) gegenüber dem 
Erfolg 1023 eine Steigerung um 78°6 Millionen 
Schilling oder um rund 200%. Allerdings haben sich 
auch die von diesen Ressorts selbst aufgebrachten 
Einnahmen von 5°5 auf IT0O Millionen Schilling ge- 
hoben. (Abzüglich der Einnahmen ergibt sich somit 
zäine Steigerung um 731 Millionen Schilling oder um 
210%.) 
Die zu den wirtschaftlichen Ressorts gehörenden Be- 
Triebe, nämlich Bundesforste, ferner Post und Telegraph, 
Vlontanbetriebe und karthographisches Institut sind 
in obigen Ziffern nicht berücksichtigt, da die Geba- 
ung dieser Betriebe in besonderen Betriebsvoran- 
ichlägen und Abschlüssen dargestellt wird. 
Die Gebarung der Bundesbahnen bildet, wie schon 
5ben angedeutet, keinen Bestandteil des Bundeshaus- 
1altes. Wohl aber sind im Bundesvoranschlag jene 
3Zeträge vorgesehen, die den Bundesbahnen aus 
3Zundesmitteln zur Verfügung gestellt werden. Es sind 
lies ein namhafter Beitrag zum Erfordernis für die 
Altpensionisten, ein Betriebszuschuß in der Höhe der 
von den Beförderungsgebühren entfallenden Ver- 
kehrssteuern, außerdem bestreitet der Bund die 
Lasten aus dem Südbahnübereinkommen. 
Die für Investitionszwecke erforderlichen Summen 
werden den Bundesbahnen im Rahmen der jeweiligen 
inanzgesetzlichen Bewilligung vom Bunde gegen an- 
gemessene Verzinsung und Tilgung zur Verfügung 
gestellt, 
Seit I. Jänner 1027 ist auch die Postsparkasse ein 
;elbständiger Betrieb und es bildet deren Gebarung 
nicht mehr einen Bestandteil des Bundeshaushaltes. 
In jedem nützlichen Aufwand der öffentlichen Ver- 
waltung‘ liegt an sich eine Befruchtung der Volks- 
wirtschaft. Das Maß der Produktionsförderung im 
wirtschaftlichen Sinne kann vor allem an der Hand 
der unter dem Titel „Investitionen“ aufgewendeten 
Viittel beurteilt werden. 
Es sei daher im nachstehenden eine Übersicht der 
ın den Jahren 1023 bis 1927 für Investitionen ge- 
machten und für das Jahr 1928 veranschlagten Aus- 
gaben gegeben: 
Redinungsabschluß Voranschlag 
1023 1924 1925 1926 1027 1928 
760°08 10367 00'604 13565 10566 IOTIO 
Millionen Schilling. 
In diesen Summen erschöpfen sich aber keineswegs 
lie im allgemein wirtschaftlichen Sinne produktiven 
Ausgaben des Bundes. Vielmehr finden sich fast bei 
allen Zweigen des Staatshaushaltes Aufwendungen, 
lie unmittelbar der Wirtschaft zustatten kommen.
	        
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