Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

zutage gefördert. Die Anwendung des Phos- 
phatgesetzes hatte die Feststellung der in 
Oesterreich befindlichen Phosphatvorkom- 
men zur Voraussetzung. Zu diesem Zwecke 
mußte das Bundesministerium für Land- 
und Forstwirtschaft eine Untersuchung und 
Erforschung sämtlicher im Staatsgebiete vor- 
handenen Höhlen vornehmen und es erschien 
zweckdienlich, auch bisher unbekannte 
Höhlenvorkommen aufzusuchen. Diese groß- 
zügige Aktion, die sich über das ganze 
Gebiet von Neuösterreich erstreckte, führte 
dazu, daß fast sämtliche bekannte 
Üöhlenvorkommen einer eingehen- 
den fachmännischen Untersuchung 
interzogen wurden und zahlreiche neue Höh- 
€nvorkommen festgestellt werden konnten. 
Diese Ermittlungen führten auch vor 
allem dazu, daß der Vorrat Oesterreichs 
an Höhlenphosphaten — mit Ausschluß des 
-agers von Mixnitz — mit zirka 3000 
Tonnen Phosphaterde festgestellt werden 
<onnte, Leider krankte der Abbau und Vertrieb des in Mix- 
nitz gewonnenen Höhlendüngers an verschiedenen techni- 
schen Mängeln, die bei diesem durchaus neuen Unter- 
ı1chmen und bei der Geschwindigkeit, mit der infolge 
des Notstandes die Invertriebsetzung des Höhlendüngers 
verlangt wurde, begreiflicherweise nicht ausgeschlossen 
werden konnten. Dieser Umstand, sowie die Verbesserung 
der Wirtschaftsverhältnisse und die im Staatshaushalte 
zebotenen Sparmaßnahmen brachten es mit sich, daß 
diese viel Erfolg versprechende Aktion nach Beendigung 
des Abbaues der Mixnitzer Drachenhöhle vorerst ein- 
Bestellt wurde. Welche Zukunftsaussichten eine Höhlen- 
Jüngeraktion bei einem rationellen Betriebe haben 
kann, bezeugt der Umstand, daß Rumänien im heurigen 
Jahre den Abbau des großen Phosphatlagers der 
Szoklovinaerhöhle auf großzügigste Art und Weise in 
Angriff genommen hat und schon heute aus Ungarn 
und Rumänien Bestellungen für tausende Waggons 
. Phot. F. A. Saal, Müncher 
Eisriesenwelt im Tennengebirge. Alexander von Mörck-Dom 
Jöhlendünger bei dem den Betrieb führenden Unter- 
ı1ehmen einliefen. 
Die im Zuge der Höhlendüngeraktion vorgenommene 
achmännische Untersuchung der Österreichischen 
löhlenvorkommen hatte aber auch neuerdings die Auf- 
nerksamkeit des Bundes auf besonders eindrucksvolle 
Jöhlen gelenkt und mit Rücksicht auf die sich immer 
nehr versteifenden fremdenverkehrspolitischen 
"’endenzen die Gewißheit geschaffen, daß die -in 
Jesterreich bereits teilweise erschlossenen großen 
löhlenvorkommen mit Aussicht auf Erfolg dem Frem- 
lenverkehre und damit indirekt der Volkswirtschaft 
ıutzbar gemacht werden könnten. Soweit diese Objekte, 
rarisches Figentum darstellten, war es dem Bunde ein 
eichtes, durch Eigenregieverwaltung oder durch ent- 
prechende Beaufsichtigung der Pächter dieser Objekte, 
ne rationelle Bewirtschaftung vorzusehen und eine 
ıuf Raubbau ausgehende Betriebsart zu verhindern, 
Schon vor dem Kriege wurde eine Anzahl 
großer Höhlenvorkommen von privaten Ver- 
zinen und Unternehmungen zu Schau- 
zwecken ausgestaltet. Es waren dies die 
gewaltigen Eishöhlen im Dachstein- 
und Tennengebirge, die Wasserhöhlen 
im Koppentale und bei Lofer sowie die 
Iropfsteinhöhlen beiSemriach-Peg- 
zau in Steiermark. Alle diese Unterneh- 
mungen kamen über einen gewissen Grad 
der Entwicklung, mangels verfügbaren Kapi- 
tales, mangels staatlicher Förderung und 
mangels bestehenden Interesses des Publi- 
kums nicht hinaus. Der Bund bemühte sich 
aun im Rahmen der ihm zur Verfügung 
stehenden Möglichkeiten, die Erschließung 
zumindestens der ärarischen Höhlen zu 
fördern. Hinsichtlich der im privaten FEigen- 
tum stehenden Höhlenvorkommen war ihm 
auch weiterhin die Möglichkeit genommen 
mangels einer gesetzlichen Regelung be- 
wußten oder unbewußten Schädigungen 
Phot. Dr, Rudolf Saar 
Rieseneishöhle im Dachstein. Partie aus dem Kreuzgange 
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