Die Gruppe der Universitätsprofessoren
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daß die Doktoranden der juristischen Fakultäten meist ideen
geschichtliche Themata zu ihren Dissertationen zu bevorzugen
pflegen, kam der Erweiterung und Befestigung von Deschamps
Einfluß zu statten. Unter seiner Führung ist eine Generation
von agrégés in die juristischen Fakultäten hineingewachsen,
die begeistert an ihrem Lehrer hangen und dem Liberalismus
für die nächste Zukunft eine ausgiebige Vertretung in den
juristischen Fakultäten sichern.
Professor Deschamps ist, wenn wir absehen von der
Revue de l'Histoire des Doctrines économiques, die er in Gemein
schaft mit Professor Dubois aus Poitiers im Frühjahr 1908 ge
gründet hat, mit Publikationen so gut wie nicht an die Öffent
lichkeit getreten. Seine Anschauungen spiegeln sich jedoch
wieder in dem Werke eines seiner Schüler : L’Individualisme
économique et social (Paris, 1907) von Albert Schatz, das bei
seinem Erscheinen Aufsehen machte.
Albert Schatz ist „professeur agrégé“ der Nationalökono
mie an der juristischen Fakultät in Dijon. Wir können ihm
zunächst als wissenschaftliches Verdienst anrechnen, daß er
wertvolle Beiträge zur Anfangsgeschichte des Liberalismus und
Individualismus zutage fördert. Insbesondere weist er sehr an
schaulich nach, wie sich die philosophischen Elemente des
Klassizismus in der paradoxalen Fable of the Bees von Bernard
de Mandeville (zuerst als Flugblatt, London, 1706, dann wieder
holt in bedeutend vermehrten Auflagen) bereits sehr klar ausge
sprochen vorfinden. Nach Schatz haben D. Hume und Ad.
Smith viele Stellen aus Mandeville wörtlich übernommen.
Ethik und politische Ökonomie trennt Mandeville sehr scharf;
ja mit seinem Paradoxon Private vices, public benefits stellt er sie
sogar in Gegensatz zueinander. Die Nationalökonomie fundiert
er psychologisch, indem er mit großem Zynismus Hobbes' Auf
stellung, daß das persönliche Interesse die Triebfeder der
menschlichen Tätigkeit sei, entwickelt. Über Hobbes und die
Philosophen der Schule des moral sense geht aber Mandeville
hinaus, wo er die Harmonie der Interessen nicht als durch
despotische Staatsgewalt ermöglicht, noch als freigewollt, aus
den gesellschaftlichen Trieben der Menschen sich erklärend,
sondern als objektiv in der Natur der Dinge gegeben nach
weist, indem sie aus dem natürlichen Ineinandergreifen der