Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Gruppe  der  Universitätsprofessoren

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Schaftswissenschaft  losgelösten  Begriffe  von  der  der  Wirtschaftsordnung ­
  immanenten  Gerechtigkeit,  den  providentiellen  Finalismus, ­
  den  ethischen  Gesetzen  usw.  wieder  hineinbringt  und
den  Exklusivismus  und  Dogmatismus  der  Physiokraten  neu  belebt. ­
  So  hat  der  französische  Klassizismus  die  Tendenz,  eine
esoterische  Theorie  ohne  Anwendung  zu  sein  ;  keine  Partei  wagt,
sich  im  Parlament  darauf  zu  berufen  ;  er  ist  die  Apanage  einer
Minderheit  von  Doktrinären,  der  unfruchtbare  Diskussionsgegenstand ­
  einer  Handvoll  Eingeweihter.  Der  englische  Liberalismus ­
  dagegen,  von  Stuart  Mill  dem  britischen  Temperamente ­
  angepaßt,  ist  von  einer  mächtigen,  heute  am  Ruder  befindlichen ­
  Partei  offen  als  Doktrin  anerkannt  und  gewinnt  täglich
an  Bedeutung  im  nationalen  Leben 1 ).  Die  Niederlage  des  orthodoxen ­
  Liberalismus  in  Frankreich  bedeutet  jedoch  keineswegs
diejenige  des  Individualismus,  ebensowenig  wie  schlechte  Verse
eines  Dichters  die  Poesie  zu  töten  vermögen 2 ).
Der  Individualismus,  wie  ihn  Professor  Deschamps  in
Frankreich  zu  wecken  und  zur  herrschenden  Weltanschauung  zu
machen  strebt,  will  in  der  Methode  rein  empirisch  sein.  Sein  Ziel
ist  möglichste  (Selbst-)  Vervollkommnung  des  Individuums.  Er
umfaßt  eine  philosophische  und  eine  volkswirtschaftliche  Doktrin. ­
  Als  philosophische  Doktrin  hat  er  eine  Psychologie  und
Ethik,  keine  Metaphysik.  Die  beiden  Elemente  dieser  Psychologie ­
  und  Ethik  sind  das  Individuum  und  die  Gesellschaft.  Das
Individuum  hat  alle  Kenntnis  von  der  sinnlichen  Erfahrung  und
bleibt  in  seinen  Willenshandlungen  dem  Instinkt,  dem  Gefühl
und  der  Leidenschaft  unterworfen.  Der  sittliche  Fortschritt,  der
den  Kulturmenschen  vom  Wilden  unterscheidet,  äußert  sich  in
der  Erziehung,  welche  das  persönliche  Interesse  bei  ersterem
bekommt.  Das  Leben  in  Gesellschaft  formt  in  gewissem  Maße
die  primitive  Natur  des  Menschen  um,  indem  es  diejenigen
seiner  Triebe  maskiert,  die  das  Zusammenleben  unmöglich
machen  würden.  Die  Vergesellschaftung  des  Zusammenlebens
der  Menschen  kann  durch  wirtschaftliche,  religiöse  und  'philosophische ­
  Erziehung  beschleunigt  werden.  Die  wirtschaftliche  Erziehung ­
  geschieht,  indem  das  Individuum  der  Konkurrenz,  dem

b  ibid.  p.  258  ff.
2 )  ibid.  p.  291.
de  Waha,  Die  Nationalökonomie  in  Frankreich.

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