Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

der Rest teils von der heimischen holzverarbeitenden 
industrie und der Papierindustrie weiterverarbeitet, teils 
exportiert wird. Ein wichtiges Nebenprodukt unserer 
Holzproduktion ist die Fichtenrinde, die als vorzügliches 
Gerbmaterial nicht allein von den inländischen, sondern 
auch von ausländischen Lederfirmen verwendet wird. Da 
auch die österreichische Viehzucht, namentlich die der 
einheimischen Gebirgsrassen, einen erstklassigen Roh- 
stoff für die Ledererzeugung liefert, sind die ent- 
sprechenden Vorbedingungen für die Entwicklung einer 
leistungsfähigen und großen Lederindustrie im vollen 
Jmfange gegeben. Tatsächlich nimmt die österreichische 
Sohlen- und Treibriemenledererzeugung eine führende 
Stellung auf dem Weltmarkte ein. Doch wird auch hier 
der Bedarf an Häuten nur zu ungefähr 50% durch die 
Inlandsaufbringung gedeckt. Auch müssen die feineren 
Ledersorten und zum Teile auch die für die Oberleder- 
erzeugung erforderlichen Gerbstoffe aus dem Auslande 
dezogen werden. 
Was die übrigen Rohstoffe anlangt, ist die österreichi- 
sche Industrie nahezu zur Gänze auf den Import an- 
Zewiesen. Darunter fallen auch solche Industrien, die 
zur Zeit des Bestandes der österreichisch-ungarischen 
Monarchie . ihren Rohstoffbedarf fast ausschließlich im 
nlande decken konnten, wie die Hanf- und Schafwoll- 
industrie und die Lebensmittelindustrie, die ihre Roh- 
stoffe aus den landwirtschaftlich hochentwickelten Ge- 
bieten der Nachfolgestaaten bezogen haben. Wenn auch 
die günstige Entwicklung der landwirtschaftlichen Pro- 
luktion in den letzten Jahren, namentlich hinsichtlich 
ler Versorgung der Brauerei- und Zuckerindustrie, mit 
nländischen Rohstoffen eine wesentliche Besserung zur 
"olge hatte, so sind doch diese Industrien zum Teile 
ıuch heute noch im großen Maße auf die Verarbeitung 
ıusländischer Materialien angewiesen. 
Schon zur Zeit des Bestandes der österreichisch-ungari- 
hen Monarchie war ein Großteil der Industrieunter- 
ıehmungen im Besitz der Banken. Diese Abhängigkeit 
st durch die infolge der Geldentwertung eingetretene 
\ufzehrung des Figenkapitals noch verstärkt worden, 
‚jo daß die Unternehmungen auch hinsichtlich ihres Be- 
larfes an laufendem Betriebskapital auf die Darlehens- 
‚ewährung durch die Banken angewiesen sind. Nach der 
3ilanzstatistik haben die in den Industrie-Aktiengesell- 
dhaften investierten fremden Gelder im Jahre 1913 827%, 
m Jahre 1926 jedoch 902'8% des Figenkapitals betragen. 
Auf die Entwicklung der Industrie in den ersten Nach- 
(riegsjahren mußten auch die Arbeiterverhältnisse 
ıngünstig einwirken. Die physischen und moralischen 
Nirkungen des verlorenen Krieges, vor allem aber die 
iußerst ungünstigen Lebensverhältnisse und die unzu- 
ängliche Ernährung hatten in den ersten Nachkriegs- 
ahren eine wesentliche Verminderung der Leistungs- 
ähigkeit der Arbeitskräfte zur Folge. Diese Erscheinung 
vurde noch durch die Einführung des Achtstundentages 
md die dadurch bedingte Umstellung der Betriebsorgani- 
'aation verschärft, so daß man in einzelnen Industrie- 
-weigen mit einer Verminderung der durchschnittlichen 
Tankanlage der Montan-Union A, G., Wien LI, Schwarzenbereplatz 16
	        
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