Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Abb. 7. Propaganda-Auto 
mäße Arbeitsbedingungen gewährte, begegne- 
ten die auf Hebung der Arbeitsmoral gerichte- 
sen Bestrebungen der Generaldirektion dem vollen 
Verständnis der Arbeiterschaft und ihrer Vertratens- 
personen. Es steht heute außer allem Zweifel, daß 
die Arbeiterschaft der österreichischen Tabakregie 
ihre Obliegenheiten sachkundig und gewissen- 
haft versieht und Fabrikate von mindestens glei- 
her Güte wie in der Vorkriegszeit her- 
stellt. 
Unter diesen Umständen vollzog sich der Wieder- 
aufbau der österreichischen Tabakregie ohne die 
Unruhen und Ausstände, die in der Nachkriegs- 
zeit die Gesundung der meisten Industrien so empfind- 
lich gehemmt haben. Und als es sich im Jahre 1923 zeig- 
te, daß infolge der Verarmung der Bevölkerung der 
Konsum hinter den Erwartungen zurückblieb und 
die Kürzung der Arbeitszeit von wöchentlich 44 auf 
40 Stunden zur Herbeiführung des Gleichgewichtes 
zwischen Erzeugung und Absatz nicht ausıeichte, 
zing die unvermeidlich gewordene Abbau- 
Aktion, durch welche der Arbeiterstand von 10.450 
auf 6224 Köpfe vermindert wurde, im Einvernehmen 
mit der Arbeiterschaft reibungslos von statten. Es 
wurden damals die älteren Arbeiter in den dauern- 
den Ruhestand versetzt, die jüngsten mit Abfertigun- 
gen entlassen und darüber hinaus nur solche Arbei- 
ter, deren Existenz nicht gefährdet war, mit Zuwen- 
dung von Wartegebühren oder Geldabfertigungen 
außer Stand gebracht. Der seither ständig steigende 
Konsum hat es bis Ende des Jahres 1027 ermöglicht, 
den Arbeiterstand auf 7730 Köpfe zu erhöhen und 
damit einen Großteil derabgebauten Arbeiter 
wieder einzustellen. 
Die Dank der geschilderten Ratio- 
nalisierungsmaßnahmen steigenden 
Erträge setzten die Tabakregie in 
die Lage, sowohl die Löhne der 
aktiven als auch die. Provisionen 
der im Ruhestande befindlichen Ar- 
beiter wiederholt zu erhöhen und 
die aktiven Arbeiter durch Wirt- 
schaftsprämien an dem Erfolge 
der Rationalisierung zubeteiligen, so- 
wiedie Fürsorgeeinrichtungen 
für die Arbeiterschaft auszubauen. 
Gegenwärtig sind sämtliche Ta- 
bakfabriken mit Wärmküchen 
oder Speiseanstalten ausge- 
stattet. In den Speiseanstalten in 
Fürstenfeld. und Wien-Ottakring 
wird ein vollständiges Mittagessen 
verabreicht. In Schwaz besteht eine 
Suppen- und Kaffeeanstalt. 
Bei fast allen Tabakfabriken sind 
Arbeiterbäder, teils Dampf-. 
teils Brausebäder, in Betrieb. 
Die Erbauung von Arbeiter- und Beamten- 
häusern wurde nach langjähriger Pause wieder 
anergisch fortgesetzt (siehe Abb. 4). Heute verfügt 
die Tabakregie über 43 Wohnhäuser mit zusammen 
535 Wohnungen. 
Für die Kinder der Tabakfabriksarbeiter bestehen 
in einzelnen Betrieben modern eingerichtete. Säug- 
lingsheime, in Hainburg auch eine Tageser- 
holungsstätte und ein Kindergarten (siehe 
Abb. 5). 
Seit 1021 werden alljährlich Weihnachtsfeiern für 
die im Alter von 2 bis 14 Jahren stehenden Kinder 
der Bediensteten veranstaltet. 
Erkrankte Arbeiter finden ärztliche Hilfe durch 
die vom Bunde besoldeten Fabriksärzte. Der 
zrößte Teil der Verwaltungsausgaben der Arbeiter- 
Crankeninstitute wird vom Unternehmen getragen. 
Die Arbeiter erhalten aus Bundesmitteln auch Zu- 
;chüsse zu dem gesetzlichen Krankengeld, sie genießen 
n gewissen Fällen auch spezialärztliche Behandlung 
ınd Kuraufenthalt, insbesondere bei Tuberkulose und 
Gelenkserkrankungen. 
Mit Wirksamkeit vom I. Dezember 1927 wurde 
die Familienversicherung für einen Kreis von 
Angehörigen der Tabakfabriksarbeiter eingeführt, wel- 
he Krankenpflege (ärztliche Hilfe, Beistellung von 
Yeilmitteln und gewisser Heilbehelfe), Mutterhilfe, 
Tebammenbeistand einschließlich ärztlicher Hilfe und 
Stillprämien sowie Begräbnisgeld umfaßt. 
Große Schwierigkeiten bereitete in den ersten Nach- 
kriegsjahren die Beschaffung verschiedener, die Quali- 
ät der Fabrikate stark beeinflussender Hilfsstoffe, 
wie des Zigarettenpapieres, der Klebemittel u. dgl. 
welche vor dem Umsturze nur im Auslande und in
	        
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