Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Abb. 2. Technologisches Gewerbemuseum, Versuchsanstalt 
für Bau- und Maschinenmaterial 
nischen Hochschule wohl nach, übertrifft dieses aber an 
Zahl der Prüfeingänge. In das Tätigkeitsgebiet der An- 
stalt fällt die gesamte Bau- und Maschinenmaterial- 
prüfung, die Untersuchung hydraulischer Bindemittel, 
der Seile, Röhren, Gasflaschen, Riemen für Trans- 
missionen. Die Versuchsanstalt verfügt auch über ein 
chemisches, ein gesteinsmikroskopisches und metallo- 
graphisches Laboratorium; jedoch werden chemische 
Untersuchungen nur in dem Umfang ausgeführt, als sie 
im Zusammenhang mit der mechanischen Prüfung not- 
wendig sind (Abb. 2). Von Arbeiten aus der letzten Zeit 
;eien erwähnt: eine vergleichende Untersuchung von 
Schnelldrehstählen mittels Kugeldruckk-Härteproben bei 
höheren Temperaturen, von Lagermetallen, gebrochenen 
Automobilbestandteilen, Federlenkstangen, von Treib- 
:jemen nach neuen Gesichtspunkten, von Backofenrohren 
auf Innendruck, Aufklärung von Korrosionserscheinungen, 
Untersuchung von säurefesten Stählen und Metallen, 
metallographische‘ Gefügeuntersuchung von Leitungs- 
drähten, Feuerboxteilen und gehärteten Stahlteilen, 
Prüfung von Kunststein-Fußbodenplatten, von Pflaster- 
klinkerplatten, von Dachdeckplatten auf Widerstand 
gegen Hagelschlag, wobei eine Normprobe entwickelt 
wurde, von Sparbauplatten. Zahlreiche Gesteinsunter- 
suchungen betrafen die Eignung für Pflaster- und 
Schotterzwecke und als Betonzuschlagsstoffe, weitere 
Arbeiten die Untersuchung von Bodenarten und Grund- 
wässern auf Zementgefährlichkeit. Neuere Zemente, wie 
frühhochfeste Portlandzemente, Bauxit- und Schlacken- 
zemente wurden geprüft. 
Die Gemeinde Wien besitzt eine Städtische Prü- 
'ungsanstalt für Baustoffe, die früher dem Stadt- 
»auamt angegliedert war, neuerdings einen Teil der 
Abteilung 56 des Magistrates bildet. Die Anstalt dient 
vornehmlich der Prüfung der bei den städtischen Bauten 
verwendeten Materialien. Die lebhafte Bautätigkeit der 
Gemeinde in den letzten Jahren hat auch dieser Anstalt 
sine günstige Entwicklung gebracht. Die maschinelle 
Ausrüstung erfuhr manche wertvolle Erweiterung und 
lie räumliche Unterbringung wurde verbessert. Aus der 
Anstalt ging eine vollständige und systematische Unter- 
suchung aller in Österreich erzeugten Zemente hervor. 
Auch die für den modernen Straßenbau viel verwendeten 
bituminösen Stoffe können hier auf ihre Eignung mit den 
modernsten Behelfen geprüft werden. 
Als wohleingerichtete Untersuchungsanstalt am Sitze 
einer Stahlindustrie ist die Materialprüfungsanstalt 
der Gußstahlfabrik Kapfenberg der Gebrüder 
Böhler & Co. A. G. von Bedeutung. Die Anstalt befaßt 
sich mit der Untersuchung von Eisen, Stahl, Metallen und 
den Hilfsstoffen für deren Herstellung. Sie arbeitet sowohl 
für das eigene Unternehmen als auch für Anträge aus 
dem umliegenden Industriegebiete. 
Die Mechanisch-Technische Versuchsanstalt 
an der Technischen Hochschule in Graz besteht 
zeit dem Jahre 1021. Auch diese Anstalt nimmt eine 
erfreuliche Entwicklung. Die Zahl der Aufträge stieg von 
28 im Jahre 1923 auf 157 im Jahre 1926. Von größeren Unter- 
suchungen seien erwähnt: vollständige Drahtseilprüfungen, 
Vergleich von autogen und elektrisch geschweißten Stäben, 
Ermittlung der Zugfestigkeit von Hanfgeweben, der Druck- 
festigkeit von Gußeisen, von Natur- und Kunststeinen. 
der Festigkeit von Betonrohren und anderes. 
Die Untersuchung der Edelsteine bildet ein besonderes 
Kapitel der Materialprüfung. Die natürlichen F.delsteine 
müssen nach Art, Zugehörigkeit und Fundort bestimmt, 
lie künstlichen Steine von den natürlichen unterschieden 
werden. Die „Technische Untersuchungsanstalt 
für Edelsteine” in Wien, gegründet von dem gleich- 
namigen Verein im Jahre 1912, ist auf diesem Gebiete 
erfolgreich tätig. Auch die Unterscheidung und Prüfung 
Abh 3. Technische Versuchsanstalt der Technischen Hochschule 
Wien. Prüfung eines Betanrohres auf Scheiteldruck
	        
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