DIE FREIE VEREINIGUNG FÜR TECHNISCHE VOLKSBILDUNG
Als vor zehn Jahren das bedrängte Volk Deutschöster-
reichs sich aufrafilte, aus der Tiefe wieder aufzusteigen,
zu einer besseren Zukunft, da erkannte man in der Pflege
der Volksbildung eines der ‘geeigneten Mittel, diesen
Zweck zu erreichen. Dieser allgemeinen Anschauung
schloß sich auch die Technikerschaft hinsichtlich der
Technik an, in der Erkenntnis, hiedurch die Bevölkerung
zu ertüchtigen, die Schaffungsfreude zu wecken und ein
Verständnis für die Bedeutung der Technik und ihrer
Träger für das Wirtschaftsleben der Zukunft zu er-
schließen.
So entstand denn im Jahre 1919 die Freie Vereinigung
für Technische Volksbildung, die von Wien ausging,
aber sich später auch auf die Bundesländer erstrecte.
Unser Altmeister Sektionschef Dr. Exner, der altbe-
sannte Förderer des technischen Versuchswesens, stand
anfänglich an der Spitze dieser Vereinigung, unterstützt
von Männern wie Witt, Erhard und Halter. In der
Folge übernahm Professor Halter von der Technischen
Aochschule in Wien die Präsidentschaft der Freien Ver-
zinigung für technische Volksbildung, die heute schon
Tunderte von Mitgliedern zählt. ;
Die Hochschulen technischer Richtung, die Technische
Hochschule in Wien, die Hochschule für Bodenkultur, die
tierärztliche Hochschule, das Museum für Industrie und
Gewerbe (kurz das Technische Museum genannt) und
zahlreiche Vereine, Bildungsstätten und Einzelpersonen
arbeiten mit und beteiligen sich an den Einzel- und
Kursvorträgen, sowie an Exkursionen. . Auf die Jugend
entsprechend einzuwirken ist es ein Hauptbestreben,
durch die Lehrerschaft die Bestrebungen des Vereines zu
fördern.
Der Ethik wird besondere Aufmerksamkeit zugewendet,
weil die Ethik und Technik, innig vereint, berufen er-
scheinen, das Wirtschaftsleben der Zukunft zu be-
herrschen.
Immer mehr treten Männer auf, weldhe den Wert der
Technik erkennen und Apostel der zukünftigen Auf-
zaben der Technik werden, wie ein Weyrauch, wie ein
Kraft, wie ein Max Dessauer, der das grundlegende
Werk der Philosophie der Technik geschrieben hat, und
viele andere, um in Wort und Schrift dafür einzutreten,
den Endproblemen unseres zukünftigen Wirtschaftslebens
nachzuforschen und diese Erkenntnisse immer weiteren
Kreisen zuzuführen.
Mit diesen Anschauungen steigen auch die Aufgaben
der technischen Volksbildung und somit wachsen auch
stetig die Ziele und Aufgaben der Freien Vereinigung
für Technische Volksbildung, die Technik steht auf einer
höheren Warte, ’als lediglich auf der der bloßen Wirt-
schaft und dem Boden des Erwerbes. Bange Sorgen er-
füllen auch den Techniker darüber, wohin das Hasten
der Jetztzeit schließlich noch führen wird, und wieder
erscheint er mitzuarbeiten berufen zu sein, die Wege
ausfindig zu machen, die zu einer Gesundung unseres
heutigen Lebens der Gesellschaft aller Stände und Klassen
‚ühren können. Technik und Kultur werden aufhören,
von so manchen als Gegensätze gewertet zu werden;
und sich immer mehr und mehr verbinden zur Beseitigung
des Uebels der Welt.
CECHOSLOVAKISCHE HANDELSKAMMER IN WIEN
Die Aufgaben der ausländischen Handelskammern in
Wien sind ebenso vielseitig, wie die Handelsbeziehungen
Österreichs zu dem betreffenden Auslandsstaate selbst.
Es ist daher nicht zu verwundern, daß die Cedoslo-
vakische Republik, mit der Österreich schon seit
dem Umsturz in lebhaftestem und ausgedehntestem Ver-
kehr steht, und die mit diesem Staate durch tausende
Fäden wirtschaftlicher und persönlicher Art verbunden
ist, als’ erster von allen Auslandstaaten das Bedürfnis
empfand, durch die Errichtung einer Auslands-
kammer in Wien seine Beziehungen zu Österreich
zu fördern. Schon knapp nadı der Errichtung der tedho-
slovakischen Vertretungsbehörde in Wien kam es zur
Gründung des Beratungsausschusses beim techoslovaki-
schen Generalkonsulat, welcher der Vorläufer der im
Laufe des Jahres 1920 vorbereiteten und am 31. Jänner
I921 konstituierten Cechoslovakischen Handels-
kammer in Wien war. Die offizielle Anerkennung der
Kammer seitens des Cechoslovakischen Handelsmini-
steriums erfolgte mit Erlaß Zahl 13.671/20 ObeAh. vom
15. Dezember 1920. Die offizielle Kenntnisnahme seitens
der österreichischen Behörden geschah zufolge des Er-
lasses des Bundesministeriums für Handel und Verkehr
in Wien, Zahl 54.321/30/1924 vom 10. März 1025.
Seit ihrer Gründung befindet sich derSitz der Kammer
im Bankgebäude der Zivnostenskä banka Filiale in
Wien, deren ehemaliger Oberdirektor und gegenwärtige!
Vizepräsident der Böhmischen Kommerzialbank in Prag;
Herr Josef Spitälsky, gleichzeitig erster Präsident der
Kammer war. Ihm ‚folgte nach seinem Abgang nach
7rag in dieser Funktion der jetzige Leiter der Wiener
Filiale der Zivnostenskä banka, Direktor Bohumil Nov äk-
Das Tätigkeitsgebiet der Kammer erstreckt sich auf
alle Fragen, die mit dem Warenaustausch zwischen
den beiden Staaten im Zusammenhang stehen, demnach
nsbesondere auf. die Mitarbeit bei der Vorbereitung
ler diversen handelspolitischen Verhandlungen durch
Sammlung und Verarbeitung der aus den Mitglieder-
<reisen einlangenden Wünsche und F. orderungen. Die
Kammer gibt dieses Material mit ihrem Gutachten teils
lirekt an das Cechoslovakische Handelsministerium in
Prag, teils an die Zentrale der Gechoslovakischen
Handels- und Gewerbekammern weiter, die wiederum
die Angelegenheit der zuständigen Referentin zuweist-
Weiters ist hervorzuheben die Tätigkeit der Kammer
auf informativem Gebiete, sei es in bezug auf Zölle:
Steuern, Fin- und Ausfuhrvorschriften, Eruierung von
zeeigneten Handelsvertretern, Angabe von Bezugs-