Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Dem Stubachwerk ist das Mallnitzwerk als 
Grundbelastungswerk zugeordnet. Bei diesem 
zwischen Lassach und Obervellach nächst der Süd- 
rampe der Tauernbahn gelegenen Kraftwerk erfolgt 
die Ausnützung des Mallnitzbaches in einer rund 
320 m hohen Gefällsstufe. An die mit einer beson- 
deren Entsandungsanlage ausgestattete Wehranlage 
bei Lassach schließt sich ein 2600 m langer, für 
eine Wasserführung von 5 m* in der Sekunde be- 
nessener Oberwasserstollen an, der in einem nächst 
der Station Obervellach gelegenen Wasserschloß 
andet. Fin vierstufiger Heberüberfall sorgt für die 
allfällige Entlastung des Wasserschlosses und führt 
das Überwasser dem Leerlauf zu, der als offenes 
petoniertes, 730 m langes Gerinne über den Hang 
zu Tal verläuft. Die Energie des im Leerlaufgerinne 
abfließenden Wassers wird im Tale in einem in 
Stein gemauerten Tosbecken vernichtet, aus .dem 
das Wasser in den Unterwassergraben abgeleitet 
wird. Das Werk erhält zunächst eine Druckrohr- 
leitung von 720 m Länge mit einem lichten Durch- 
messer von 1200 bis 1100 mm und Wandstärken 
zwischen 10 und 25 mm, während der Unterbau für 
ainen zweiten Rohrstrang schon jetzt ausgeführt 
wurde. Im Krafthaus nächst Obervellach werden vor- 
läufig zwei, später vier Hauptmaschinensätze zu 
5000 PS Dauerleistung aufgestellt. Die Turbinen 
sind Freistrahlturbinen, die Dauerleistung der Gene- 
ratoren beträgt 4800 kVA. Die Jahresmittelleistung 
des Werkes beträgt beim vorläufigen Ausbau rund 
7000 PS, seine Jahresarbeit rund 38 Millionen kWh. 
Letztere kann bei Vollausbau bis auf 50 Millionen 
<Wh gesteigert werden. Vorläufig kann das Werk 
Spitzenleistungen bis 10.000 PS, nach Vollausbau 
solche bis 20.000 PS übernehmen. Für die Werks- 
ıngestellten wurde auf dem Talgrund eine aus vier 
Wohnhäusern bestehende Siedlungsanlage erstellt. 
Das bei der Energieversorgung der elektrisch zu 
„etreibenden Strecken westlich von Innsbruck eine 
wesentliche Rolle spielende Achenseewerk hat 
vorläufig drei 8000 PS-Aggregate für die Lieferung 
von Finphasenwechselstrom an die Bundesbahnen 
zur Aufstellung gebracht. Die Stromlieferung hat 
anfangs September 1027 begonnen. Die jährlich zu 
iefernde Energiemenge steigt von 25 Millionen kWh 
m ersten Betriebsjahre bis zum Höchstausmaße von 
40 Millionen kWh jährlich um 3°5 vom Hundert. 
Die für die Bundesbahnen zur Verfügung zu hal- 
iende Höchstleistung beträgt 10.600 kW bzw. 
14.000 kVA, muß aber über Verlangen der Bundes- 
sahnen unter Aufstellung eines vierten Maschinensatzes 
auf 15.900 kW bzw. 21.000 kVA erhöht werden. 
Die fünf Kraftwerke sind untereinander und mit 
zwölf Unterwerken durch Übertragungsleitun- 
zen verbunden, die Einphasenwechselstrom mit einer 
Spannung von 55.000 Volt führen. Das Übertragungs- 
leitunesnetz weist eine Gesamtlänge von fast 500 km 
uf, die Entfernung der zwei äußersten Unterwerke 
Zolling und Feldkirch beträgt rund 400 km. Bei 
St. Anton am Arlberg steigt die Leitung auf den 
Arlbergpaß und ‚erreicht dort eine Seehöhe von 
2019 m. Die Übertragungsleitungen sind bis auf das 
Tauerntunnelkabel und eine Kabelstrecke bei Feld- 
rch durchwegs als Freileitungen gebaut, und zwar 
eils auf Fisen-, teils auf Eisenbetonmasten. Das 
‚eitungsmaterial ist zum größten Teil aus Kupfer 
‚ergestellt, doch wurde auch Aluminium, und zwar 
n einer besonderen Legierung verwendet, um die- 
;jem im Inlande in großen Mengen herstellbaren 
Metalle die Wege für die Einführung als Leitungs- 
‚austoff in Österreich zu eben und so die Einfuhr 
ın Kupfer zu verringern. In Teilstrecken mit beson- 
Jlers ungünstigen klimatischen Verhältnissen, wie zum 
Zeispiel auf dem Arlberg, wurden die Leitungsseile 
ıus Bronze besonderer Festigkeit hergestellt. Die 
Querschnitte der Leitungen sind nach den zu über- 
ragenden Energiemengen abgestuft und betragen bei 
Cupferseilen 50 bis 05 mm®*. Die bei den Über- 
ragungsleitungen, aber auch bei den Fahrdrahtan- 
agen verwendeten Isolatoren sind zum großen Teile 
5sterreichischer Herkunft, da es einer inländischen 
Dorzellanfabrik gelungen. ist, gestützt auf den Bedarf 
ür die Elektrisierung der Bundesbahnen, den früher 
nn unserer Republik nur in geringem Maße gepfleg- 
en Zweig der Herstellung von Hochspannungs- 
ısolatoren zu ansehnlicher Blüte zu bringen. 
Zur Umwandlung des aus den Kraftwerken mit 
ainer Spannung von 55.000 Volt abgegebenen Ein- 
>hasenwechselstromes auf die Fahrdrahtspannung von 
5.000 bis 16.500 Volt dienen insgesamt zwölf längs 
Jen elektrischen Strecken verteilte Unterwerke. 
Diese gehören in elektrischer und baulicher Beziehung 
zwei Typen an. Die älteren, nämlich die Unterwerke 
Zirl, Roppen, Flirsch und Wald a. A. (Danöfen) sind 
zu einer Zeit errichtet worden, wo es noch strittig 
war, ob Freiluftunterwerke in Gebirgsgegenden voll- 
<sommen betriebssicher sind. Es sind Gebäudeanlagen, 
ın deren gemauerten Zellen die gesamte Schaltanlage 
amt Transformatoren untergebracht ist. Bei allen 
‚päter erbauten, bzw. noch im Bau befindlichen Unter- 
verken, nämlich Feldkirch, Hall, Wörgl, Matrei, Kitz- 
yühel, Saalfelden, Schwarzach-St. Veit und Golling 
vurde "die zum erstenmal in Österreich aus- 
zebildete Halbfreiluftanlage angewendet, das 
heißt, die 50 kV-Anlage wird im Freien aufgestellt, 
die 15 kV-Anlage dagegen in einem vergleichsweise 
kleinen Gebäude untergebracht, das gleichzeitig den 
Befehlsraum und eine Werkstätte enthält. Von 
den genannten Unterwerken sind Zirl, Roppen, 
Flirsch, Wald a. A. (Danöfen), Feldkirch, Hall i. T., 
Wörgl und Kitzbühel, Saalfelden und Matrei bereits 
ım Betrieb, Schwarzach-St. Veit und Golling im Bau. 
Die von den Unterwerken mit Einphasenwechsel- 
;trom von 15.000 V Spannung gespeisten Fahrdraht-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.