Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

DIE BAULICHE AUSGESTALTUNG DER ÖSTERREICHISCHEN 
BUNDESBAHNEN 
Von Dr. Ing. Ferdinand Trnka, Baudirektor der Österreichischen Bundesbahnen. 
In der ersten Zeit der neugegründeten Republik standen 
die Österreichischen Bundesbahnen sehr schwierigen 
Verhältnissen gegenüber. Während des langen Krieges 
waren naturgemäß die meisten Bahnstrecken stark in 
Mitleidenschaft gezogen worden. Die Erhaltungs- und 
Bautätigkeit war in dieser Zeit lediglich auf die militäri- 
schen Bedürfnisse eingestellt und mangels an Arbeits- 
kräften und Baustoffen auf das äußerste Maß beschränkı 
worden. Diese Zustände dauerten zum Teile auch noch 
während der ersten Friedensjahre an. Es ist daher be- 
zreiflich, daß nach Festigung und Gesundung der politi- 
schen und wirtschaftlichen Verhältnisse mit aller Kraft 
an das Nachholen der zurückgebliebenen Arbeiten ge- 
schritten werden mußte. 
Vor allem war es zur Aufrechterhaltung und Erhöhung 
der Betriebssicherheit unerläßlich, die Strecken- 
ınd Bahnhofgleise wieder instandzusetzen. Hand in Hand 
damit ging auch eine Verstärkung des Oberbaues zum 
Zwecke der Ermöglichung größerer Geschwindigkeiten 
und des Verkehres von Fahrzeugen mit hohen Achs- 
drücken, damit Österreich als Durchzugs- und Fremden- 
verkehrsland im Wettbewerbe mit dem Auslande be- 
stehen könne. Der Umfang der Oberbauauswechslungen 
in den vergangenen zehn Jahren und die stete Steigerung 
des Ausmaßes dieser Herstellungen in den letzten 
Jahren ist aus der Ahb. I zu ersehen. Von sämtlichen 
Gleisauswechslungen mit neuen Baustoffen und mit schweren 
Schienen von #435 kg [m 
Gleisauswechsiungen mit neuen Baustoffen und mit leichten 
Schienen von 35-38 kg/m. 
GleisauSswechslungen mit altbrauchbaren Baustoffe 
— Summe der jährlichen Gleisauswechslunger 
Ishn 
1925 
1927 
> 
1928 
Abhh 
Hauptgleisen der im Betriebe der Österreichischen 
Bundesbahnen stehenden Strecken werden bis Ende 1928 
rund 39 von Hundert mit schwerem Oberbau, das heißt 
mit Schienen von einem Metergewichte über 42 Kilo- 
gramm ausgerüstet sein, gegenüber 25 von Hundert im 
Jahre 1918. Die Auswirkung dieser Maßnahmen sei durch 
folgende Bemerkung erläutert: Während im Jahre 1918 
auf keiner dieser Strecken ein Achsdruck von 16 Ton- 
nen zulässig war, kann ein solcher jetzt auf 090 von 
insgesamt 168 Strecken angewendet werden. Zwischen 
Wien und Salzburg ist bereits ein Achsdruc&k von 
8 Tonnen bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilo- 
metern gestattet. Die Strecken westlich von Salzburg 
wurden für den Verkehr schwerer elektrischer Lokomo- 
tiven eingerichtet. Welch befruchtenden Einfluß die 
Oberbauauswechslungen auf bestimmte Industriezweige 
ausüben, kann aus Abb. 2 entnommen werden, in de: 
—— _____  Bewicht der bei Bleisneulagen verwendeten 
eisernen Baustoffe in Tonnen, 
 Panner 
Jahre: 1918 19ZuU 
147. 
1925 
nm m 
1926 1927 192. 
Abb. ? 
die Gewichte der bei den Gleisneulagen verwendeten 
eisernen Öberbaustoffe angegeben sind. 
Dem gleichen Zwecke, nämlich der Erhöhung‘ der 
Betriebssicherheit, Ermöglichung höherer Fahrge- 
schwindigkeiten und größerer Belastungen, dienten 
die Brückenverstärkungen und -umbauten. 
Ein Bild über die Zunahme der Belastungen, denen 
bei den Brückenbauarbeiten Rechnung getragen 
werden mußte. gibt die Abbildung 3, in der 
Belastungsschemen.. 
N-Zug vom Jahre 1821. 
ER 
z0 20 020 25 75.25 25 2525.25 25 25 25 25 2525 25 25 25 25 25 25 25 25 ‚20 20 20 20 Tonne 
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Norm I vom Jahre 1904. 
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Abb. 3 
lem ideellen Belastungszuge vom Jahre 1921 jener deı 
Brückenverordnung aus dem Jahre 1904 gegenübergestelli 
ist. Insgesamt wurden seit dem Bestande der Republik 
von den Österreichischen Bundesbahnen mehr als 
1200 Brückentragwerke ausgewechselt oder verstärkt und 
hiebei über 12.000 Tonnen Eisen und Stahl verwendet, 
zu deren Beförderung 30 Eisenbahnzüge zu 40 Wagen- 
ladungen mit je 10 Tonnen kaum hinreichen. Über die 
Hälfte aller dieser Bauten entfällt auf die elektrisch 
betriebenen Bahnstreden. In den meisten Fällen 
handelt es sich nur um kleinere Brückentragwerke, doch 
befinden sich darunter auch einige Bauwerke. die wegen
	        
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