Wiener - Neustadt und St. Pölten führen in letzter
Zeit umfangreiche Straßenbauten durch.
Wenn über die Straßenwiederherstellungen be-
richtet wird, darf auch das technische Problem nicht
übergangen werden. Der immer mehr überwiegende
Kraftfahrzeugverkehr stellt an die Straßen wesent-
lich andere Ansprüche, als dies durch den Fuhr-
werksverkehr geschehen ist. Die bisher im Falle sach-
zemäßer Erhaltung immer ausreichenden Schotter-
straßen halten dem modernen Verkehr absolut
nicht mehr stand, da die schnell laufenden, angetrie-
benen Fahrzeugräder den bindenden Staub zwischen
den Fugen der Straße herausholen, dadurch das
Steingerüst lockern und die Zerstörung der Fugen
vorbereiten, die dann durch die häufigen Stöße
der schwerbeladenen Fuhrwerke vollendet wird.
Für den schweren Verkehr werden heute, je nach
den vorhandenen Geldmitteln und der über die
Straßen gehenden Belastung, Steinpflaster (Groß-
und Kleinsteinpflaster), Walzasphalt- oder Teer-
betondecken, sowie Zementbetondecken hergestellt.
Für mittelschhweren Verkehr kommen die ver-
schiedenen Teer- und Asphalttränkungsverfahren
mit heißem oder kaltem Material, allenfalls in Ver-
bindung mit bituminösen Oberflächenbehandlungen,
in Betracht, während für den leichteren Verkehr
Silikatdeckken und bloße Oberflächenbehandlungen
mit Teer oder Asphalt zur Anwendung kommen.
Beim Ausbau der österreichischen Bundesstraßen,
von dem hier einige Bilder vorgeführt werden,
wurden zum Teile Steinpflasterungen, zum Teile
aber Walzasphalt- und Teerasphaltbetondecken
ausgeführt.
Das letzte Jahr der ersten Dekade der Republik
Oesterreich brachte praktisch den Beginn des Aus-
baues der österreichischen Straßen. Die
nächste Dekade wird entscheidend dafür sein, ob
wir unseren Ruf als Fremdenverkehrsland aufrecht-
erhalten und weiter ausbauen können. Zu diesem Vor allem aber dem Ausbau der österreichischen Straßen
Zwecke wird es nicht zu umgehen sein, unser Hotelwesen wird für das Aufblühen der gesamten Wirtschaft Oester-
und unser Straßenwesen immer weiter zu verbessern. reichs die größte Bedeutung zukommen.
Mündıner Bundesstraße bei Salzburg
Neuzeitlicher Straßenbelag, ausgeführt durch Ing. A. Spritzer A. G.
für Bauwesen. Wien. Innsbruck, Graz
STRASSENBRÜCKEN
Von Ing. Ant. Hafner, Ministerialrat im Bundesministerium für Handel und Verkehr.
Die Tätigkeit der Bundesverwaltung, die während der
Kriegsjahre auf dem Gebiete des Brückenbaues mangels
an Baustoffen nahezu vollständig eingeschränkt war,
konnte sich auch nach dem Umsturz nicht sobald wieder
erholen. Da getrachtet werden mußte, vorerst die be-
reits eingeleiteten Arbeiten abzuschließen, wurden in
den ersten Jahren außer einigen Holztragwerken nur
wenige und auch da bloß kleinere Bauwerke in defini-
tiver Bauweise hergestellt. So konnte die im Zuge der
Triester Bundesstraße gelegene Brücke über die
Kainach bei Wildon schon mit Ende des Jahres
1919 dem Verkehr übergeben werden. Dagegen gelang
as, die Arbeiten an der Weinzöttlbrüce über die
Mur bei Graz nur soweit zu fördern, daß der Bau im
sommer 1022 vollendet wurde,Ein ähnliches Bauwerk wurde
m Jahre 1920 über die Niederalm bei Salzburg und
öin gleiches im Jahre 1024 über den Grattenbach bei
Wörgl ausgeführt. Zu den Herstellungen dieser Zeit
zehört auch die Brücke über die Mürz in Bruck
a. d. Mur, als Ersatz der im Zuge der Bahnhofzufahrts-
straße gelegenen Holzbrücke, die schon so baufällig
war, daß sie im Jahre 1920 durch eine Notbrücke er-
;etzt werden mußte.
Außer Beton-, gelangten aber ’auch Eisenbeton-Trag-
werke verschiedener Spannweiten zur Ausführung. Dar-
inter die im Herbst 1926 dem Verkehr übergebene
‚echbrücke bei Reutte in Tirol. Die Brücke besitzt eine
Zesamtweite von NO Meter. Ein Bauwerk gleicher Art