durch das den hilflosen Müttern und Kindern in der
Gebäranstalt des Landeskrankenhauses Unterkunft und
ärztliche Pflege zuteil wurde. Nach der Entlassung aus
der Gebäranstalt kommen Mutter und Kind in das
„Mutterheim”, woselbst nicht nur die Kinder, die bei
ihrer Mutter durch 2-3 Monate verbleiben können, die
zsorgfältigste Pflege erhalten, sondern auch die Mütter
unter hervorragender ärztlicher Leitung die wichtigsten
Grundsätze einerrationellen Säuglingspflege kennenlernen.
Eine nicht minder bedeutungsvolle Einrichtung auf dem
Gebiete der Gesundheitsfürsorge bildete eben die Ueber-
nahme der Lungenheilstätten in Hörgas und in
Enzenbach des Vereines zur Bekämpfung der Tuber-
kulose in Steiermark durch das Land, wodurch der
Bestand dieser Anstalten gesichert und zahlreichen
Leidenden die Möglichkeit der Heilung gegeben wurde,
Die von fachkundiger Hand geführten Anstalten mit
einem Belagraum von 360 Betten weisen, wie die Statistik
ergibt, nicht nur außerordentlich gute Heilerfolge auf,
sie sind auch deshalb von hohem Werte, weil die vielen,
die Heilstätten aufsuchenden Kranken dort lernen, wie
;ie draußen zu leben und sich zu verhalten haben, um
ein Fortschreiten ihrer Leiden zu verhindern und ihre
Umgebung vor Ansteckung zu bewahren. Fine Ergänzung
der Lungenheilstätten bildet das gleichfalls vom Lande
übernommene Erholungsheim „Villa Barbara” bei Neu-
markt für tuberkulos gefährdete Frauen und Mädchen.
Das Erholungsheim liegt in 882 m Seehöhe bei vorzüg-
lichen klimatischen Verhältnissen.
Gleichzeitig mit der Uebernahme der angeführten
Heilstätten erfolgte auch die Uebernahme des Besitzes
des Vereines zur Bekämpfung der Tuberkulose auf der
Stolzalpe in einer Höhe von 1200 m, wo der Verein
den Bau einer Kinderheilstätte begonnen hat. Nach der
Uebernahme durch das Land begann die großzügige
Ausgestaltung der, ähnliche klimatische Verhältnisse, wie
die Schweizer Höhenkurorte Leysin, Davos und Arosa
aufweisenden Stolzalpe zu einer Sonnenheilstätte
für hirurgische Tuberkulose. Drei große Objekte
stehen heute dort oben samt den zugehörigen Ver-
waltungs-, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie den
zrforderlichen Betriebsanlagen. Die ungewöhnlich günstigen
Sonnenverhältnisse, die Reinheit der Luft mit ihrem hohen
Trockenheitsgrad und die windgeschützte Lage in Ver-
bindung mit fachkundiger ärztlicher Behandlung bringen
in dieser auch medizinisch gut ausgestatteten Heilstätte
überaus günstige Heilerfolge hervor.
Der beste Beweis hiefür liegt wohl darin, daß die be-
stehenden Anstalten schon wieder zu klein sind, so daß
lie Patienten oft dreiviertel bis ein Jahr auf die Fin-
berufung warten müssen; daher hat sich das Land Steier-
mark entschlossen, einen weiteren großangelegten, daher
heutigen Anforderungen entsprechenden Heilstättenbau
in 1300 m Seehöhe aufzuführen, wodurch weitere 200 bis
220 Heilungssuchenden die Aufnahme ermöglicht werden
wird. Für die vielen, in der Sonnenheilstätte befindlichen
Kinder wird von zwei Lehrpersonen Unterricht erteilt,
der selbstverständlich wie die Beschäftigung der noch
aıicht schulpflichtigen Kinder unter ärztlicher Leitung steht.
Mit dem Ausbau des Heilstättenwesens war jedoch die
rätigkeit der sozialen Fürsorge des Landes nicht abge-
schlossen. Die Beobachtung, daß Krüppelkinder der un-
yedingt notwendigen Spezialbehandlung entbehren, war
/eranlassung zur Errichtung einer eigenen Pflege-
ınd Ausbildungsanstalt für krüppelhafte
ugendliche in Andritz bei Graz, woselbst die
Mleglinge durch Unterricht und entsprechende Beschäfti-
zung und Ausbildung selbständig erwerbsfähig gemacht
werden sollen.
Auch in der Armenpflege wurde seitens der Landes-
‚erwaltung tunlichst auf eine Besserung der Verhältnisse
ıingearbeitet, die Verhältnisse in den Landes-Siechen-
anstalten wurden Jahr für Jahr verbessert, so daß ein
vesentliches Herabsinken der Sterblichkeitsziffer in diesen
Anstalten zu konstatieren ist. Die Zahl der Vormerkungen
ür die Landessiechenhäuser ist daher auch eine so
große, daß die Errichtung einer neuen Anstalt in Kürze
ınvermeidlich werden wird.
Produktion und Verkehr.
So schwer es ist, über die wirtschaftliche Lage eines
‚estimmten Gebietes ein Urteil abzugeben, so .kann doch
zesagt werden, daß, soweit Handel, Gewerbe und Indu-
itrie in Steiermark in Betracht kommen, die Folgen des
/usammenbruches des alten österreichisch-ungarischen
Wirtschaftsgebietes zwar noch immer nicht überwunden
iind, daß aber doch schon ein gutes Stück Weges zur
sesundung zurückgelegt ist. Dies drückt sich durch die
steigende Tendenz der Produktionsmengen, durch An-
<nüpfung neuer Handelsbeziehungen und durch die
Jmstellung von Industrie- und Handwerkszweigen auf
die Bedürfnisse des modernen Wirtschaftslebens aus.
Die Hoffnung für die Zukunft wird noch verstärkt
lurch die immer mehr erfolgende Zusammenfassung
ler erwerbenden Stände zu einheitlichen Organisationen.
Insbesondere auf dem Gebiete des gewerblichen Ge-
10ssenschaftswesens zeigt sich dies deutlich. Genossen-
:haften, die jahrelang oft nur ein bescheidenes Dasein
risteten, sind zu neuem Leben erwacht, Fachgruppen
1aben sich zu neuen Fachgenossenschaften zusammen-
zeschlossen und diese wiederum zu Landesfachverbänden.
Unter allen jenen Bestrebungen, die auf die Wieder-
ıfrichtung der durch den Krieg und die Einschränkung
ler Staats- und Landesgrenzen gestörten heimischen
Wirtschaft abzielten, stand wohl das Elektrizitäts-
vesen und damit die Ausnützung der heimischen
Wasserkräfte an erster Stelle. Neben der Errichtung
ıeuer leistungsfähiger Stromerzeugungsanlagen, wurde
lurch planmäßige Zusammenfassung audı der bestehen-
len Werke zu richtiger Verbundwirtschaft mittels eines
inheitlichen Landessammelnetzes und durch planmäßige
;tromverteilung der Wirtschaft des Landes die für den
Wiederaufbau notwendige technische Richtung geschaffen.
3ei Schaffung des Landessammel- und Verteilungsnetzes
nußte selbstverständlich darauf Bedacht genommen
verden, daß auch der Anschluß an: das künftige Reichs-
’‚ersorgungsnetz zweckmäßig erfolgen kann. Durch diese
Zestrebungen hat die Elektrizitätswirtschaft in der Steier-
nark, bewußt gefördert durch alle maßgebenden Kreise,
nen derartigen Aufschwung genommen, daß eine
vollständige Aufzählung des Geleisteten bei der räum-
ichen Beschränkung dieser Darstellung gar nicht
nöglich wäre.
Im Vordergrund steht die Tätigkeit der unter Mit-
nr