Nachkriegszeit belastet. Es besaß fünf Sektionen mit
24 Abteilungen. Derzeit besteht das Bundesministerium
für Heereswesen aus dem Präsidialbüro
und dem Rechtsbüro, dann aus sieben Abteilungen, die
in zwei Sektionen zusammengefaßt sind; hiezu treten
aoch Hilfsämter und die Buchhaltung.
Zur Überwachung der Einheitlichkeit der gesamten
Ausbildung, dann zur FEinflußnahme auf die Disziplin,
den Geist und den inneren Dienstbetrieb der Truppen
st ein Heeresinspektor bestellt. Diesem sind nebst
ainem Stabschef als militärische Fachorgane für die
Infanterie, Artillerie, Kavallerie, die Pionier- und Telegraphengruppe
Waffleninspektoren beigegeben.
Das Bundesheer ist in sechs gemischte Brigaden
zegliedert. Die Führung jeder Brigade obliegt dem
Brigadekommando. Dieses untersteht unmittelbar dem
Zundesministerium für Heereswesen. Zu einer Brigade
gehören 2 Infanterie- oder Alpenjägerregimenter, bei
zwei Brigaden überdies je 2 Feldjäger-(Alpenjäger-)Ba-:aillone,
I oder 2 Feldjägerbataillone zu Rad, weiters
: Dragonerschwadron, I Brigadeartillerieabteilung,
: Pionierbataillon, ferner 1 Telegraphen-, I Fahrkompagnie
und I Kraftfahrkompagnie. Dem 2. Brigadekommando
sind überdies das selbständige Artillerieregiment,
dem 3. Brigadekommando die in einem Batail-‚on
vereinigten Brückenzüge unterstellt. In jedem Bundesland
wurden die seinem Werbekontingent entsprechenden
Truppenkörper gebildet und — bei Beachtung der Zuzammensetzung
einer gemischten Brigade — in Brigaden
zusammengefaßt.
Die derzeitigen Garnisonsorte sind: Brigade
Burgenland Nr. 1: Wien, Wiener-Neustadt, Wöllerslorf,
Klosterneuburg, Hainburg, Eisenstadt, Neusiedl am
see; Brigade Wien Nr. 2: Wien, Wiener-Neustadt, Payerbach,
Klosterneuburg, Korneuburg; Brigade Niederösterreich
Nr. 3: St. Pölten, Wien, Stockerau, Krems,
Melk. Brigade Oberösterreich Nr. 4: Linz, Wels,
Braunau, Enns, Steyr; Brigade Steiermark Nr. 5:
Graz, Straß, Judenburg; Brigade Kärnten, Salzburg,
Tirol und Vorarlberg Nr. 6: Innsbruc,
Hall in Tirol, Lienz, Klagenfurt, Villach, Obere Fellach,
Salzburg, Bregenz, Lauterach., ,
Jeder Truppenkörper ist nach Waffengattung, Landeszugehörigkeit
und Traditionstruppenkörper benannt, zum
Beispiel: Kärntner Alpenjägerregiment Nr. 11 (früher
Infanterieregiment: Nr. 7 [Khevenhüller] und Gebirgsschützenregiment
Nr. I). Die bei Aufstellung des Bundesheeres
bestandenen Garnisonen Radkersburg, Leoben,
Bruck a. d. Mur, Bruck a. d. Leitha, Freistadt in Oberösterreich
und Schwaz in Tirol wurden aufgelassen.
Die Ergänzung des Bundesheeres.
Die durch den Staatsvertrag von St. Germain Öster-‚eich
aufgezwungene Ergänzungsart besteht in der
Anwerbung einer streng begrenzten Zahl Freiwilliger.
Jie Werbungen werden von den Heeresverwaltungsstellen
durchgeführt. Da der Andrang bei den Werbungen
ein überaus großer, der Bedarf des Heeres an Jungmännern
aber relativ klein ist, können im Vergleich
zur allgemeinen Wehrpflicht weit strengere Aufnahmsbedingungen
festgesetzt werden. Während das Bundesheer
in den ersten Jahren seines Bestandes meist aus
ler Volkswehr übernommene Arbeitslose und sehr viele
tere Soldaten, die nicht ohneweiters entlassen werden
‚onnten, in seinen Reihen hatte, erfolgte durch sorgältig
durchgeführte Werbungen allmählich eine vor-'eilhafte
Umschichtung. Gesunde, geistig und
noralisch völlig geeignete junge Männer traten aus
;tadt und Land in das Heer, so daß in diesem heute
ılle Bevölkerungskreise dienen. Die im Heer wiederein-‚eführte
Ordnung und Disziplin, das neubegründete
\nsehen des Soldaten in der Öffentlichkeit, die schon
veit ausgebaute Versorgung ausgedienter Sollaten
und nicht zuletzt die wiedererwachende Vorliebe
ür den Soldatenberuf, der alle ihm während des
Imsturzes aufgedrängten Schattenseiten wieder verloren
ıat, wurden mit der Zeit ein großer Anreiz dafür, die
\ufnahme in das Bundesheer anzustreben. Die Werungen
erfolgen in der Regel im Herbst, die Einrückung
ler vom Bundesminister bestätigten Bewerber zur Truppe
zewöhnlich im Frühjahr. Jedem in das Bundesheer aufzenommenen
Jungmann eröffnen sich gute Aussichten
ür sein Fortkommen. Bei Erfüllung der fachlichen Belingungen
kann er nach einem Dienstjahr Gefreiter,
‚ach zwei Jahren Korporal, nach drei Jahren Zugsührer
werden. Der weitere Weg zum Unteroffizie])
ührt durch den Truppenkurs nach abgelegter Unter-‚ffiziersprüfung
zum Wachtmeister. Durch Zeitbefördeung
können die Grade des Stabswachtmeisters und
)ffiziersstellvertreters erreicht werden. Für den höchsten
Jnteroffiziersgrad, den Vizeleutnant, ist nebst. einem
;ntsprechenden Dienstalter eine sehr gute Dienstbeichreibung
und die Absolvierung des Zugskommandantenkurses
erforderlich.
Die Heranbildung der Offiziere mußte von
srund aus neu aufgebaut werden. Die alten Offiziersschulen
mit ihren wertvollen wissenschaftlichen Lehr-»ehelfen
gingen dem Heer größtenteils verloren. Die
"orderung nach höherer Bildung des Offiziers stieß
vorerst auf allergrößten Widerstand, Erst später konnte
ın die Gründung einer Offiziersschule geschritten
verden. In Enns entstand die Heeresschule, für
leren Besuch in der Regel das Reifezeugnis einer
Aittelschule, dann die Ablegung einer Offiziersanvärterprüfung
und Truppendienst Vorbedingung sind.
Die Heeresschule besteht aus drei Jahrgängen und
chließt mit der Offiziersprüfung ab. Die Frequentanten
ıeißen Militärakademiker. Außerdem können militärisch
iehr begabte und als Unterführer bewährte Unter-»ffiziere
ohne Mittelschulbildung in einem besonderen
> Jahre währenden Kurs der Heeresschule zu Olffizierep
herangebildet werden. Diesen steht dann die Offiziers-'aufbahn
bis zum Hauptmann offen. Alle aus der
»hemaligen Volkswehr stammenden Offiziere, die beim
Jmsturz ohne Absolvierung der OÖffiziersschule beördert
worden waren, mußten einen zweijährigen
Iffizierskurs: an der Heeresschule besuchen, um die
vesentlichsten der für den OÖffiziersstand nötigen
Kenntnisse zu erwerben. Die jährliche feierliche Ausnusterung
der Leutnante und der Fähnriche aus der
leeresschule findet Mitte August statt. Die Ausbillung
der Offiziersanwärter in der Heeresschule ist eine
überaus gründliche; neben allen militärischen und
portlichen Fächern werden noch Sprachen, Geographie