Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 499
in Ungarn erhalten hatte, war schon vorher der bayrische
Kurfürst Max Emanuel von dort, von den Stätten seines
Ruhmes hinweg, nach Deutschland geeilt, um den Oberbefehl
in Süddeutschland zu übernehmen.
Im Norden aber hatte man sich sogar noch zur Wehr
zu setzen begonnen, ehe der Reichskrieg beschlossen wurde. Hier
war es Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg und bis zu
einem gewissen Grade der militärisch tüchtige Kurfürst Johann
Georg III. von Sachsen, die den Ernst der Lage begriffen;
schon im Oktober 1688 waren sie mit dem Herzoge von
Hannover und dem Landgrafen von Hessen⸗-Kassel in Magde⸗
zurg zusammengekommen und hatten die Aufstellung einer
beträchtlichen Rheinarmee beschlossen.
So begann denn das Feldzugsjahr 1689 für die Deutschen
unter Zeichen guter Vorbedeutung. Die nord- und mittel—
deutschen Kontingente, die sich schon Ende 1688 um Gelnhausen
vereinigt hatten, drückten von da bereits im Winter über die
Mainlinie hinaus auf den Neckar, setzten —EXDD—
straße fest und bedrohten Heidelberg. Unter diesen Umständen,
zumal jetzt die süddeutschen Kontingente, zum Teil in Eil—
märschen von Ungarn her, die Donau herauf nach Westen und
Nordwesten vorstießen, war Süddeutschland für die Franzosen
nicht mehr zu halten; allmählich, fast ohne Schwertstreich, gaben
sie es auf.
Aber in welch unmenschlicher Weise schändeten sie ihren
Rückzug, insbesondere ihren Abmarsch aus den gesegneten
Feldern der Pfalz! In Anordnungen, die allem Kriegsrechte
auch einer noch rauhen Zeit Hohn sprachen, war von Versailles
aus befohlen worden, das Land als Einöde zurückzulassen;
der Kriegsminister Louvois ist dafür unmittelbar und persönlich
berantwortlich. Und so wurden nicht bloß die Felder und
die Weinberge verwüstet; nicht bloß die Dörfer verbrannt:
auch die Städte sollten auf lange hin nur noch Trümmer—
haufen sein, unbrauchbar für menschliche Zuflucht: in Mann⸗
heim war Befehl gegeben, auf die Bürger zu schießen, die sich
wieder ansiedeln wollten. Wie man schädliche Tiere aus—