Full text: Die englische Agrarenquete von 1913

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Erster Teil. 
daß gewisse Leistungen von Fall zu Fall zu einem klargestellten Betrage 
in Anrechnung kommen. Eine solche Maßregel wird nicht nur den 
Arbeitern, sondern auch den Farmern zugute kommen, denn sie leiden 
häufig zu Unrecht unter dem Vorwurfe, niedrige Löhne zu zahlen, und 
zwar nicht etwa da, wo die Gesamtleistung an die Arbeiter wirklich 
niedrig ist, sondern dort, wo der Naturalanteil ein hoher ist. 
Ad 2 ist auszuführen: Von je zwölf ländlichen Arbeitern ist nur 
einer über 65 Jahre alt; aber auch über dieser Altersgrenze gibt es 
noch viele vollwertige Arbeiter, da langjährige Übung in vielen Fälleil 
mehr wert ist als Jugendkraft. Jesse Collings rügt mit Recht die land 
läufige Bezeichnung des Landarbeiters als eines ungelernten Arbeiters. 
Im übrigen ist es selbstverständlich, daß der gesetzliche Minimallohn 
nur für den Normalarbeiter, nicht für Schwache und Alte gilt. 
Ad 3. Schon jetzt ist auf fünf ständige Landarbeiter ein Ge 
legenheitsarbeiter vorhanden. Dieses Verhältnis dürfte sich deshalb 
wenig ändern, weil letzterem natürlich ein höherer Tagelohn zugesprochen 
werden muß. 
Ad 4. In der Tat legte der Verlust vou 800000 ha Ackerland 
zwischen 1881 und 1901 60000—80000 Arbeiter lahm, seitdem sind 
weitere 400 000 ha in Gras gelegt, also weitere etwa 30 000 Arbeiter 
überflüssig geworden. Aber diese Umwandlung war fast ganz die Folge 
niedriger Getreidepreise und nicht etwa steigender Löhne; sie wird also 
auch in Zukunft eine Funktion der Marktpreise sein. 
Zu beachten ist ferner, daß niedriger Tagelohn und billige Arbeit 
sowie hoher Tagelohn und teuere Arbeit durchaus nicht identisch sind. 
Die Kosten eines bestimmten Quantums Arbeit können sogar fallen mit 
steigendem Tagelohn. Auf einem besonderen kleinen Fragebogen sind 
hierüber Erhebungen angestellt worden; er ist hauptsächlich solchen 
Farmern zugestellt worden, die sowohl in Gegenden mit hohen wie in 
solchen mit niedrigen Löhnen gewirtschaftet haben. Die Mehrzahl hat 
geantwortet, daß die hochbezahlte Arbeit nicht mehr, ja sogar oft weniger 
kostete als die niedrig bezahlte. Sind also die Farmer in den Graf 
schaften mit hohen Löhnen keineswegs schlechter daran als ihre Berufs 
genossen in Gegenden niedriger Löhne, so könnte trotzdem eine so starke 
des Landarbeiters van der des Fabrikarbeiters (oder eigentlich umgekehrt, da ja 
der der erste, der früher da war) nicht klar geworden zu fein. Siehe hierüber 
das Nachwort.
	        
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