§ 4. Adam Müllers Lehre vom ewigen Nationalkredit. 51
nis der Vereinigung oder für den Staat; so wie Gesetz der juri
stische Ausdruck dafür ist.« (Theorie d. G. S. 158.)
Alle Individuen im Staate, sowohl Menschen als Sachen,
haben einen doppelten Charakter: zuerst sind sie etwas für sich
oder an sich; dann aber sind sie auch noch etwas, als Geld.«
(Aus »Die Elemente der Staatskunst« Berlin 1809, Band 11. S. 194.)
Wenn man mich aber fragt, was in Österreich eigentlich Geld
sei und die äußeren Verhältnisse der Individuen vermittle und aus
einandersetze, so sage ich: Ein kaiserliches Wort, ein National
wort, welches hier vermittels der Teilbarkeit, Beweglichkeit und
Deutlichkeit des Papiers zum allgemeinen ökonomischen Aus-
einandersetzungs- und Vermittlungsinstrument wird, wie dasselbe
kaiserliche oder Nationalwort wieder dort, vermittels der Klug
heit, Beweglichkeit und Gesetzmäßigkeit einer großen Anzahl von
Richtern und Beamten aller Art, zum juristischen Auseinander-
setzungs- und Vermittlungsinstrumente.« (Elemente, II. S. 197.)
»Indes, diese ganze Auseinandersetzung soll weiter nichts be
weisen, als daß die Idee der gesellschaftlichen Bedeutung keines
wegs an das Metallgeld gebunden ist und daß der erste Schritt
aller wahren Erwägung der Staats- und Nationalökonomie der sei,
daß man jenes absolute und instinktartige Haften am Metallgelde
unmöglich mache, indem man zeigt, daß das Geld eine Idee,
oder eine allen Individuen der bürgerlichen Gesellschaft inhärie-
rende Eigenschaft ist. In dem Maße, wie der Mensch selbst seinen
bürgerlichen Charakter erweitert und in immer mehreren zum Be
dürfnisse wird: In dem Maße wird er selbst immer mehr zum
wahren Gelde, in dem erhabenen, nur ideenweise und lebendig
zu erkennenden Sinne des Wortes, den ich aufgestellt habe. Also
es gilt von den gegenwärtig so genannten Personen, wie von den
so genannten Sachen; insofern diese Geldeigenschaft durch Fabri
kation, Industrie und nützliche Verarbeitung aller Art an den
Sachen, durch Geschicklichkeit, Brauchbarkeit, Nationalsinn usw.
an den Personen immer mehr ausgebildet wird: Insofern wächst
der Nationalreichtum, und die hier beschriebene »Idee des Geldes
ist das eigentliche und ewige Objekt des Nationalreichtums. Daß
alle Individuen im Staate den Charakter des Geldes annehmen
oder immer mehr zu wahrem Gelde werden; daß sich ihr wahrer
Wert im Tausch, im Verkehr, im geselligen Leben, daß sich, wie
ich es noch bezeichnender nannte: ihr bürgerlicher Charakter er
höhe: dahin geht das große und eigentliche nationale Leben des
Staatswirtes. — Je mehr jedes einzelne Individuum im Staate,
Sache oder Person, mit allen übrigen in Beziehungen tritt, je mehr
es sich also zu Gelde macht, um so konzentrierter und lebendiger
wird der Staat, um so gewandter bewegt er sich, um so größere
Kraftleistungen kann er hervorbringen, um so mehr kann er pro
duzieren. — (Elemente, II. S. 198 199.)
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