Full text: Grundfragen der Wirtschaft

davon ab, ob er gitt geleitet wird. Da aber die Leitung entweder ehren⸗ 
amtlich oder durch bezahlte Angestellte geschieht, so fehlt der Leitung 
die Haupttriebfeder des kaufmännischen Lebens, die persönliche Ver— 
antwortung und die Aussicht auf den Ertrag des Unternehmens. Der 
Nachteil davon zeigt sich in der geringeren Auswahl der Waren und 
weniger aufmerksamer Bedienuug, als sie in gutgeleiteten Geschäften 
von Einzelunternehmern zu finden sind. Entwickelt sich aber, wie in 
größeren Städten, der Konsumverein zu einem Großunternehmen, so 
erfordert es auch genau denselben Aufwand an Geschäftsunkosten wie 
jedes audere Großunternehmen. Alsdann treten die Genossen hinter 
den angestellten Leitern völlig zurück, und wir haben nichts anderes vor 
uns als eine Aktiengesellschaft mit zahlreichen kleinen Aktionären, die 
auf die Leitung keinen Einfluß haben. Sie sind dann einfach an einem 
Geschäft beteiligt und haben für ihren Auteil die Haftung zu über— 
nehmen. 
Auf einen allgemeinen Nachteil, der aus Konsumvereinen eut⸗ 
stehen kaun, muß ich noch Hinweisen. Da die Auswahl der Waren 
verhältnismäßig gering ist, so decken die Mitglieder bei ihm nur den 
Bedarf an Stapelwaren, während sie die übrigen Waren von selb— 
ständigen Kaufleuten beziehen. Diese Verteilung des Einkaufs ist un— 
wirtschaftlich und führt zu einer Minderung der Leistungsfähigkeit 
der selbständigen Geschäfte, weil sie ihnen einen und zwar wichtigen 
Teil des Absatzes entzieht und seine Unkosten dadurch relativ ver⸗ 
größert. Sodann ist vom allgemeinen politischen Standpunkte nicht zu 
wünschen, daß der selbständige Mittelstand vermindert wird, wozu 
aber die Konsumvereinbewegung beiträgt. Unbeachtet kann auch nicht 
bleiben, daß diese sich in der Praxis zu einer wichtigen Stütze der so— 
zalistischer Bewegung herausgebildet haben, die vielen ihrer Agitatoren 
die materielle Grundlage für ihr politisches Wirken bietet. 
Daß die Konsumvoereine keine dem selbständigen Handel wirklich 
überlegene Wirtschaftsform darstellen, beweist der Umstand, daß sie 
dem Handel wohl örtliche Schwierigkeiten bereiten, ihn aber in keiner 
Weise ausschalten konnten. Im Jahre 1920 verfügten die Konsum— 
bereine im ganzen über z,3 Millionen Mtitglieder bei einer Gesamtt— 
bevölkerung von 60 Millionen und hatten einen Umsatz von z,4 Nil— 
liarden Mark, ein Betrag, der, zumal unter Berücksichtigung der im 
Jahr 1920 bereits eingetretenen starken Geldentwertung, im Ver—
	        
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