Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

V. Anwendungsgebiete der Rationalisierung — 6. Die öffentliche Wirtschaft 103 
durch Fortschritte in der Automatisierung des Betriebes gesenkt, die 
Betriebssicherheit selbst gesteigert werden. Allein durch die Einführung 
der Kunze⸗Knorr⸗Bremse ist ein Drittel des gesamten Zugbegleit⸗ 
personals in Höhe von rund 19 o000 Köpfen überflüssig geworden. 
Gleichzeitig konnte der Urlaub verlängert und die Arbeitszeit gegen⸗ 
über 1913 gekürzt werden. Die Personalersparnis durch die Einführung 
der Knorrbremse betraͤgt jaͤhrlich ro0 Millionen Mark. Auch in der 
Nutzlast der Züge sind erhebliche Verbesserungen um rund 2596 er⸗ 
reicht worden. Die Reisezeit eines Güterzuges von Berlin nach Köln 
hat sich von 29 auf 15 Stunden verringert. Von Köln nach Hamburg 
fahren die Eilgüterzüge statt 281/, nur noch 120/, Stunden. Zwischen 
Bentheim und Leipzig ist die Zahl der Stunden von 25 auf 18 ge⸗ 
sunken. Auf dem Gebiet des Personenverkehrs sind ebenfalls wichtige 
Rationalisierungsarbeiten durchgeführt worden. Die Reichsbahn führt 
seit dem 7. Oktober 1928 nurmehr zwei Klassen: eine Holzklasse und 
eine Polsterklasse. 620/, sämtlicher Reisenden fuhren IV. Klasse. Die 
Führung der III. Klasse hat sich daher als unrationell erwiesen. Da 
der Unterschied zwischen der J. und II. Klasse hinsichtlich der Ausstattung 
geringfügig ist, glaubte die Reichsbahn auch hierin vereinheitlichen zu 
können. Ferner haben die Lokomotiven gegen früher eine um 420 
erhöhte Zugkraft, so daß es der Reichsbahn moͤglich ist, mit 22 o0o 
Lokomotiven gegenüber 27 ooo vor dem Kriege auszukommen, wobei 
freilich berücksichtigt werden muß, daß heute weniger Züge gefahren 
werden als in der Vorkriegszeit. Ebenso fortgeschritten wie der Loko⸗ 
motivbau ist auch der Bau von Güterwagen: Die Ladefaähigkeit des 
gesamten Güterwagenparks beträgt annähernd 11 Millionen 
Tonnen, das bedeutet gegenüber der Vorkriegszeit eine Steigerung 
um 3695. Sehr weitgehend ist bei der Reichsbahn auch die Ver⸗ 
wendung psychotechnischer Prüfungsmethoden. In ihrem psycho⸗ 
technischen Institut in Eichkamp bei Berlin sind bisher rund 50000 
Anwaͤrter für 20 verschiedene Dienstzweige geprüft worden. Die 
Versuche erstrecken sich auf Geistesgegenwart, Konzentrationsver⸗
	        
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