Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

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schäften — voran in den Warenhäusern — rasch ein. Damit ist die 
restlose „Kapitalisierung“ des Warenangebots erreicht, die Anlockung 
des Käufers nicht mehr nach der subjektiven Eigentümlichkeit und der 
Qualität der Ware, sondern nach ihrem Preis. Hier fallen alle Er⸗ 
klaͤrungen und Bemühungen des Verkäufers weg, der nur noch auf⸗ 
sichtsführende und ordnende Zwischeninstanz ist, nicht mehr Ver⸗ 
mittler zwischen Kunden und Ware. Einen Grad weiter noch wird 
die Mechanisierung des Verkaufs dann vom Warenautomaten ge⸗ 
trieben, bei dem die Beziehung von Person zu Person nicht nur ob⸗ 
jektiviert, sondern völlig ausgeschaltet ist. 
Diese Trennung des Subiektes von der unmittelbaren Gestaltung 
der objektiven Kulturgüter hat nun noch zu einer weiteren Schädigung 
der Kultur als einer Einheit der Subjekt⸗Objekt⸗Beziehungen geführt, 
zur Resonanzlosigkeit des modernen Menschen für die organischen 
Werte der objektiven Kultur. In dem selben Maße, in welchem die 
Arbeitsteilung die Güter zu autonomen Gestalten einer eigenen 
Logik und Selbständigkeit, einer vom menschen⸗seelischen Einfluß nur 
noch mittelbar abhängigen Eigengesetzlichkeit erhoben hat, hat sich 
ihre Assimilierbarkeit für das Subjekt, der Kontakt zwischen Leistenden 
und Leistung verringert, das Spiegelbild des Schaffenden in seinem 
Werk verzerrt, ist die Bezugslinie zwischen der Kultur der Zeit und 
ihren Bildnern verwischt worden. Die Arbeitsteilung hat eine Fülle 
unpersonlicher, überpersönlicher Werte ermöglicht, ihreßahl mit Hilfe 
von Technik und Organisation ins Grenzenlose gesteigert, die 
Gelegenheiten zur Deckung der Bedürfnisse, verglichen mit früheren 
Jahrhunderten, um ein Vielfaches potenziert, — und dennoch die 
hürgerliche Kultur dürftiger, gehaltloser und liebeleerer zurücgelassen, 
als sie dies jemals war. 
Am deutlichsten zeigt sich dieser Vorgang an der Entwicklung der 
Sprachkultur. Während die Ausdrucksmöglichkeiten in den letzten 
Jahrzehnten des 19. und in den ersten des 20. Jahrhunderts quan⸗ 
titativ wie qualitativ betraͤchtlich gesteigert worden sind und der 
Rauecker 
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