Full text : Rationalisierung als Kulturfaktor

II. Rationalisierung und Ethik

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beiterschaft“ hinweiste) — bei ihren im Auftrage des „Industrial
Fatigue Research Board“ ausgeführten Untersuchungen an siebzehn⸗
jährigen Maͤdchen einer Schule für jugendliche Erwerbslose im Ein⸗
klang mit ihren früheren Ermittlungen drei Typen unterschieden,
deren Verhalten gegenüber monotoner Arbeit sich deutlich nach ihrem
Intelligenzgrade abstuft. Danach war der mittelmaͤßig begabte Typ
für die monotone Arbeit am besten zu gebrauchen und mochte sie
ziemlich gern; der unintelligente Typ erwies sich als zu lässig und
ungeschickt, und die Intelligentesten zeigten deutliche Abneigung gegen
diese Art Arbeit und keineswegs die höchsten Leistungen.
Vergleicht man die autobiographischen Bekenntnisse der Arbeiter⸗
schaft über das Maschinisierungsproblem mit diesen experimentellen
Ermittlungen, so findet man eine erstaunliche Übereinstimmung
zwischen Theorie und Praxis. So beantworten beispielsweise in dem
Buch von Levenstein „Die Arbeiterfrage“ xx) zwei Weber die Fragen:
„Verspüren Sie irgendwelche Ermüdung oder sonstige Beschwerden
durch immer dieselbe Arbeit?“ völlig verschieden. Der eine schreibt:
„Ob ich webe, ob ich die Ketten oder Poilen aufbäume oder ob ich
Faden um Faden andrehe und verankere, alles zum Sterben lang⸗
weilig, eintoönig, einschlaͤsernd und ermüdend. Es ist vollständig
gleichgültig, ob ich diesen oder jenen Artikel webe... Die Haupt⸗
beschäftigung ist Stehen und Beobachten. Ofters erfaßt mich eine
Arbeitswut, die Unruhe der Maschine übertraͤgt sich dann auf mich ...
Dann laufe ich um den Stuhl herum, und dann möchte ich der
Maschine helfen, daß sie noch schneller arbeite ... Alles trägt dazu bei, die
Arbeit zur Qual und zur Unruhe zu gestalten ... Dieses verdammte
Stahlgeschöpf, es muß siegen in einem Kampf, der kein Kampf ist...“
Der andere Weber aber erklärt: „Sie (die Maschine) erscheint mir als
ein willfähriges Werkzeug oder als mein Brotpferd ... Sogar Ver⸗
gnügen macht mir die einförmige Arbeit am Webstuhl ... Wenn der
) Reichsarbeitsblatt Nr. 44 v. 24. 11. 26 und 45 vom 1. 12. 26.
xx) Levenstein, Die Arbeiterfrage, München, E. Reinhardt, 1912, S. 45/46.
            
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