In den Jahren 1917 und 1918 haben sich die Verhältnisse infolge der zu-
nehmenden Rohmaterialknappheit noch mehr verschärft. Wiewohl neben
der Verarbeitung von Kunstwolle auch Papiergarne namentlich für Zwecke der
Volksbekleidung zur Verwendung gelangten, konnten die Spinnwebereien kaum
mit‘ 40—60 % ihrer Leistungsfähigkeit, die reinen Webereien nur mit 20—40%
ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt werden und die Arbeiterzahl fällt unter
die Hälfte des Friedensstandes.
DIE BRÜNNER WOLLINDUSTRIE
IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK
Nach Beendigung des Weltkrieges befand sich die Brünner
Wollindustrie in einer sehr schwierigen. Lage. Durch die während
der letzten Kriegsjahre notgedrungen erfolgte Verarbeitung minderwertiger Roh-
materialien waren die technischen Betriebseinrichtungen der Fabriken
vollständig abgenützt worden, ohne daß zunächst die Möglichkeit ihrer Er-
neuerung bestand. Die Rohstofflager der Fabriken waren gelichtet und es
fehlte an hochwertigen Zahlungsmitteln, um aus dem Auslande Rohmaterialien
für die Herstellung von Qualitätswaren zu beziehen, Auf dem Boden der Tschecho-
slowakischen Republik, die nur ein Viertel der Einwohnerzahl der ehemaligen
österreichisch-ungarischen Monarchie aufweist, ballten . sich drei Viertel der
früheren. österreichischen und ungarischen Tuchindustrie zusammen, so daß