Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Erste Blüte individualistischen Geisteslebens. 187 
lehrten, und daneben bestand ein Studium der Franziskaner, 
das durch Duns Scotus berühmt ward. Im übrigen freilich 
hatten die Deutschen des 13. Jahrhunderts höhere Bildung 
noch außerhalb des Landes zu suchen, in Bologna vor allem 
und in Paris!. Teilweis anders wurde das erst im 14. Jahr⸗ 
hundert. Das zunehmende Bedürfnis an Klerikern und auch 
schon Juristen namentlich in den östlichen, Paris abgewandten 
Ländern der deutschen Kolonisation führte zur Begründung der 
Universitäten Prag (1348) und Wien (1365), eine Sezession 
von Pariser Lehrern infolge des Schismas von 1378 zur Be— 
gründung der rheinischen Universitäten Heidelberg (1885) und 
Köln (1888), sowie Erfurts (1392), eine verwandte Sezession 
von Prag her zur Errichtung Leipzigs (1409). Der Kreis der 
alten acht Universitäten wurde endlich geschlossen durch Rostock 
(1409) und Löwen (1424); sie sollten dem Mangel an Hoch— 
schulen im Osten und Westen der deutschen Seeküsten abhelfen. 
Alle diese Universitäten wurden nach dem mittelbaren oder 
unmittelbaren Muster des Pariser Studiums begründet. 
Eine neue Periode der Universitätsgründungen begann mit 
der Errichtung Greifswalds (1456). Um diese Zeit stieg das 
Bedürfnis nach gelehrten Kräften, namentlich auch Juristen, 
gewaltig; wird doch die Zahl der Studierenden in der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts zwischen sechs und sieben Tausend 
betragen haben?. So wurde es notwendig, neue Hochschulen 
zu schaffen. Zugleich aber wurde auch schon bei Fürsten und 
städtischen Obrigkeiten das humanistische Bildungsbedürfnis wach; 
von diesem Standpunkte aus soll Kaiser Max verlangt haben, 
daß jeder Kurfürst in seinem Gebiete eine Hochschule besitzen 
müsse. Und so traten die Gründungen rasch nacheinander ein, 
obgleich sich die Nordgermanen um diese Zeit von der deutschen 
Bildung zu befreien begannen (Aniversitäten Upsala 1477, 
Kopenhagen 1479): auf Greifswald solgten Freiburg und 
Basel 1460, Ingolstadt 1472, Mainz und Tübingen 1476, 
t S. oben S. 158. 
Paulsen in Hist. Ztschr. N. F. 9, S. 302. 
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