188 Vierzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Wittenberg 1502, Frankfurt a. O. 1506. Es sind im ganzen
acht neue Hochschulen.
An all diesen Universitäten war nun bis in die Mitte des
15. Jahrhunderts und darüber hinaus der Studienbetrieb auf
mittelalterlicher und scholastischer Grundlage aufgebaut; erst
im Laufe des zweiten und dritten Jahrzehnts des 16. Jahr⸗
hunderts ging diese allgemein verloren. Dementsprechend
waren sie kirchliche Institute, besaßen eine Dotation aus
kirchlichen Mitteln, Pfründen u. dgl., und dienten vor allem
der Bildung des Klerus. Die Artistenfakultät (philosophische
Fakultät) hatte den Charakter einer Mittelschule, die in den
Sprachen und freien Künsten zum Studium der Theologie und
zu dem mit diesem häufig verbundenen Studium der Rechte
vorbereitete, die medizinische Fakultät war unbedeutend.
Unter diesen Umständen war es klar, wo der Einfluß des
Humanismus an den Universitäten einzusetzen hatte. Sein
Gebiet waren nicht die höheren Fakultäten der Theologie und
der Rechte; er hatte die Artistenfakultät zu erobern. Dies
um so mehr, als vielleicht nur ein Sechstel der Studierenden
dieser Fakultät in die höheren Fakultäten aufrückte, während
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von ihr aus alsbald ein kirchliches oder sonstiges Amt erstrebte,
dessen Dienst dann praktisch erlernt ward. Waren aber die
Artistenfakultäten von den Humanisten gewonnen, so mußten
ihnen bei dem aufsteigenden Studiengang ohne weiteres auch
die höheren Fakultäten zufallen.
Es ist der Weg, der mit zäher Beharrlichkeit von allen
Vertretern des Humanismus, den theologischen Pädagogen wie
den freier Denkenden verfolgt worden ist. Durchgeführt werden
konnte er freilich nur, wenn der Humanismus eine spezifisch
wissenschaftliche, gelehrte Farbung annahm. Dies geschah in
der That; die philologisch-formale Seite der neuen Bildung
trat hervor, die Realien blieben im Hintergrund; formale Ein—
seitigkeit war von Anbeginn das Bezeichnende des deutschen
Humanismus und ist es im ganzen noch immer mehr geworden.
Unter dieser Wandlung war freilich der Sieg an den