b) Außenstaatlich
Die wichtigste innerpolitische Frage im Bergbau, eben die
Lagerstättenpolitik, ist — merkwürdiger- oder natürlicherweise?
— nicht allein vom innerpolitischen Standpunkt aus, sondern
nur zugleich auch von außenpolitischer Einstellung her zu lösen.
In der Landwirtschaft liegt das einfacher; hier ist der autar-
kische, der selbstgenugsame Standpunkt der zunächst natür-
liche und gegebene. In der Bergwirtschaft, d. h. auf der Kon-
sumtionsseite, also in der Hüttenwirtschaft, ist’s gerade umge-
kehrt; denn hier soll man in industriell entwickelten Ländern
grundsätzlich eigentlich lieber von auswärtigen Lagerstätten
zehren und zehren lassen, wenn und solange man von dort die
Erze billiger als aus dem Inlande beziehen kann, und wenn
nicht andere, mehr soziale Gesichtspunkte dagegen sprechen,
und sofern nicht gerade auch vom Bergbau Rücksicht auf eine
aktive Handelsbilanz verlangt werden muß.
Das alles hängt einfach damit zusammen, daß die Lager-
stätten nicht, wie die Bodenoberfläche, ewig bebaut werden
können, sondern abgebaut werden und nicht nachwach-
sen. Bergbau ist eben Vorratsabbau, Landwirtschaft ist in der
Hauptsache Regen- und Sonneneinfang mit Hilfe der Boden-
oberfläche, zum kleineren Teil Ackerkrumenausnutzung, die
jedoch durch Düngung wieder ersetzt, sogar mehr wie gutge-
macht werden kann,
Deshalb ist in der Bergwirtschaft die vergleichende Vorrats-
feststellung, -berechnung und -schätzung nicht nur die selbst-
verständliche Grundlage für den tatsächlichen Bergbaubetrieb,
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