Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

—- 5.7 — 
sprüche früherer Zeiten überaus große, nicht immer durch die 
Not der Zeit entschuldbare Mängel aufwies und in starkem Maße 
die Wirkungen rein merkantiler Anschauungen und Bedürfnisse 
zeigte. Wie ferner in der Kolonialwirtschaft die größten 
Schwankungen und Gegensätze hervortraten und hier in jeder 
Beziehung die unerfreulichsten Erscheinungen zum Ausdruck kamen, 
so‘ trug andererseits die Landwirtschaft, wie überall, so 
auch in der Niederlanden den Charakter einer gewissen Stetigkeit. 
Sie bewahrte durch die drei Jahrhunderte am besten das Bild 
eines dem holländischen Volke und Boden eigentümlichen Wirt- 
schaftsbetriebes, wenn auch neben dem Käse und der Butter, dem 
Flachs und dem Torf später manche modernen Bodenprodukte, 
wie Kartoffeln und Rübenzucker, in den Vordergrund traten. Aber 
von gewagten Experimenten, wie sie alle übrigen Wirtschafts- 
zweige sich geleistet haben, blieb die Landwirtschaft bewahrt; 
auch die Blumenzwiebel-Manie war keine landwirtschaftliche Krank- 
heit, sondern ein Übergriff der Börsenspekulation auf das 
agrarische Gebiet. An Energie und Zähigkeit hat die einhei- 
mische Landwirtschaft den Handel und die Schiffahrt zeitweise 
übertroffen. Allerdings hat sie es vielfach leichter gehabt, da für 
ihre in das Ausland gehenden Erzeugnisse die sehr günstige Lage 
des Landes sich vorteilhaft erwies, während Handel und Schiffahrt 
doch in starkem Maße unter der natürlichen und künstlichen Kon- 
kurrenz des Auslandes litten und die Niederlande als Besitzer der 
Rheinmündungen sich ihrer Pflichten gegen das mitteleuropäische 
Hinterland nicht immer bewußt gewesen sind, wodurch sie ihrem 
eigenen Wirtschaftsleben am meisten schadeten. 
Zwischen der Privatwirtschaft und der vom Staat vertretenen 
Wirtschaftspolitik bestand im allgemeinen in früherer Zeit kein 
Gegensatz, da die staatliche Politik sich meist mit der nach außen 
hin vertretenen Wirtschaftspolitik deckte und diese von den vor- 
nehmsten Trägern der Wirtschaft beeinflußt war. Wenn trotzdem 
manche merkwürdigen Schwankungen in der Wirtschafts- 
politik, insbesondere der Handels- und Gewerbepolitik, unver- 
kennbar waren, so beruhte dies zum großen Teil auf dem losen 
Gefüge des Staatswesens, das namentlich nach dem Münsterschen 
Frieden und in den statthalterlosen Perioden mehr einem Staaten- 
bunde als einem Bundesstaat glich und heftigen wirtschaftlichen 
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