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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
29. FEUILLETONISTISCHE WERBUNG
FÜR EINEN KURORT UND EIN KURHOTEL
Für mondäne Hotels der größeren Städte sowohl als auch der
Kur- und Badeorte kommt, neben der Anzeigenreklame, noch
eine besondere Form der Propaganda, die feuilletonistische
Plauderei, in Frage. Sie kann unter Umständen, namentlich
bei geschickter Anwendung, sehr viel wertvoller sein, als noch
so umfangreiche Anzeigen in Zeitungen oder Zeitschriften.
Als Grundprinzip für solche Plaudereien seien einige Leit-
sätze aufgestellt, die ich aus eigenen praktischen Erfahrungen
herauskristallisiert habe:
1. Es muß ängstlich vermieden werden, daß die Plauderei
schon auf zehn Meilen „nach Reklame riecht‘. Eine geschickte
Feder wird das leicht zu vermeiden wissen, und jedes mondäne
Haus sollte mit solcher Aufgabe nur die gewandteste Feder
betrauen.
2. Die Plauderei vermeide ebenso ängstlich die ausge-
tretenen Pfade. Wer wirklich literarisches Blut in den Adern
hat, wird auch leicht die jeweils passende Form finden. Tage-
buchform vermeide man, weil sie bei den Lesern und deshalb
auch bei den Redaktionen unbeliebt. ist. Erst kürzlich wurde
mir von den Redaktionen zweier angesehener Zeitschriften
mitgeteilt, daß sie Beiträge in Tagebuchform nicht verwenden
könnten, weil diese Form bei den Lesern unbeliebt sei.
3, Man gebe der Plauderei eine persönliche Note. Je deut-
licher es schon die ersten Zeilen verraten, daß der Verfasser aus
eigenem schöpft, daß er mit dem Leser plaudert, als säße er
mit ihm zusammen in jenem Hotel beim Fünfuhrtee oder
abends beim Mahl und einer auserlesenen Flasche Johannis-
berger Kabinett, um so leichter wird die gewünschte Wirkung
eintreten: den Leser oder die Leserin zu fesseln und sie für das
geschilderte Haus zu interessieren.