Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
damals einen solchen internationalen Großinserenten, Heute ist er durch 
den schweizerischen Fremdenverkehr und durch die Hotelerie abgelöst 
worden, deren Anzeigen und Reklamen in der ganzen Welt zu finden sind. 
Von jenem Großinserenten will ich ein wenig erzählen, weil seine 
geschickte Art, zu inserieren, zum Bahnbrecher wurde und weil der 
Mann zugleich der beste Werber für seine Stadt und sein Land war 
Eines Tages erschienen in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften 
vieler Länder charakteristisch und auffallend (Blickfang!!) aufgemachte 
Anzeigen, die fast wie ein Vorläufer der heute so beliebten Preisrätsel- 
Anzeigen erscheinen. Es war aber kein Preisrätsel, sondern eine Scherz- 
frage und sie lautete ungefähr: „Welches ist der beliebteste Berg in der 
ganzen Schweiz?‘ Die Antwort war: „Der Henne-Berg in Zürich!“ Mit 
der Schweizer Topographie Vertraute stutzten natürlich. Man wußte wohl 
vom Rigi, Pilatus, Mönch, Eiger, Wetterhorn, Jungfrau, Matterhorn, 
Montblanc usw., aber von einem Berg Henne, also aus dem in der 
Schweizer Hotelküche besonders beliebten, braven Geschlecht der Hühner 
{Poulet), hörte man noch nichts. Und der sollte sogar im schönen Zürich 
zu finden sein? Beim Weiterlesen löste sich das Rätsel in Wohlgefallen 
auf. Jener Züricher Großinserent hatte sich der Welt selbst als Scherz- 
rätsel aufgegeben. Es war wirklich „der Henneberg“, nämlich ein welt- 
bekannt gewordener Fabrikant und Händler mit Seidenwaren, der da- 
malige internationale Liebling der Damenwelt, wofür ihn die respektiven 
Ehemänner und sonstigen Männer wohl mit manchem heimlichen Fluch 
bedacht haben werden. Denn sie waren es schließlich, welche die 
eminent geschickt abgefaßten Inserate jenes Züricher Rattenfängers zu 
bezahlen hatten, wenn die Frauen eigensinnig darauf bestanden, ein Kleid, 
eine Bluse, einen Morgenrock, Jupons oder elegante Strümpfe just von 
Henneberg in Zürich zu tragen. 
Die eigenartigen Inserate Hennebergs, die seinerzeit Schule gemacht 
und vielen Jüngern der jungen Reklamekunst manches gelehrt haben, 
sind aus der europäischen Presse verschwunden. Der Meister der Reklame 
und Erfinder des Scherzrätsels bei der Anzeige hat Griffel und Zeichen- 
stift längst niedergelegt. Er ist in jenes unbekannte Land verzogen, 
welches für uns alle das große, unlösbare Rätsel ist und ewig bleiben wird. 
Aber ich mußte recht lebhaft an ihn denken, als ich jüngst in seinem vor- 
nehmen, von künstlerischem Geschmack zeugenden, Schloßartigen 
„Heim“ weilte, das er sich vor einer Reihe von Jahren am Ufer des 
schönen Zürichsee, dicht neben der. Tonhalle und ganz nahe beim 
weltbekannten Hotel Baur au Lac, errichten ließ. Lang, lang ist’s her, 
daß ich bei einem meiner öfteren Besuche Zürichs neugierig jenes schloß- 
artige Haus umstrich, welches, wie ich mir scherzhaft sagte, ganz aus 
Inseraten und leichten Seidenwaren erbaut war und doch nicht zu- 
sammenfiel. Nun weilte ich zwischen seinen Mauern, wandelte durch 
die schönen Räume und blickte von stolzer Zinne herab auf den lachenden 
Zürichsee mit seinen landschaftlich reizvollen Ufern. War es ein 
Traum? Ich zwickte mich ins Ohr. Das Zauberschloß fiel nicht zu- 
sammen wie Klingsors Gärten und Marmorhallen im zweiten Akt des 
Parsifal. Es hielt stand und war so gastfreundlich, wie man es sich besser 
gar nicht wünschen könnte.
	        
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