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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
muß es gelingen, die Welt, in der man sich nicht langweilt, oder noch
besser: in der man sich selbst nicht langweilen, aber noch weniger lang-
weilen lassen will, restlos für sich zu gewinnen.
Ruhig spreche ich es aus: in seinem Kursaal hat Zürich nicht nur eine
neue Gaststätte, sondern eine Sehenswürdigkeit zu den schon vorhandenen
hinzugewonnen, die in ihrer Art einzig ist. Denn der Entwicklungsgang
vom vornehmen Patrizierheim zum mondänen Kursaal ist gewiß unge-
wöhnlich. Er hat nicht viele Seitenstücke, Dazu kommt, daß bei der
notwendigen Umwandlung der ehemaligen Privaträume in Solche für
öffentliche Zwecke eine besonders geschickte, ja, geradezu künstlerische
und zugleich pietätvolle Hand gewaltet hat. Es wurde bei den not-
wendigen Neuerungen nicht gespart, vor allem nicht an der berühmten
falschen Stelle. Vorhandenes Schöne wurde erhalten und in helleres
Licht gerückt. Auf diese Weise ist der Stadt Zürich ein Konzentrations-
punkt für ihre Fremden geschenkt worden, der den Vergleich mit jedem
anderen Kursaal oder ähnlichen Etablissements aufnimmt; der vor vielen
aber das voraus hat, was eben nur durch die Umwandlung aus einem
vornehmen Patrizierhaus, aus dem Heim eines reichen, kunstverständigen
Mannes in ein öffentliches Gästeheim möglich war. Henneberg war wirk.
lich eine Künstlernatur, das beweist heute noch sein Haus, und das bewies
seine Gemäldesammlung, die früher im Erdgeschoß des Hauses unter-
gebracht und viele Jahre eine Sehenswürdigkeit Zürichs war.
Ich glaube, daß der neue Züricher Kursaal die an ihn geknüpften
Hoffnungen voll erfüllen und in jeder Beziehung zum vornehmen Sammel-
punkt der schönen Limmatstadt werden wird. Ich kann jeden nach
Zürich Kommenden nur dringend raten, sich den Kursaal und seine
schönen, stimmungsvoll ausgestatteten Räume anzusehen und dort öfter
zu weilen. Mir war die Wanderung durch das prachtvolle Haus, mit
seinen großzügigen Wirtschaftsräumen, ein auserlesener, ästhetischer
Genuß.