Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

VERHÄNGNISVOLLE WETTBEWERBE UND PREISAUSSCHREIBEN 357 
„Es scheint uns unnötig“ — so schrieb die Redaktion des 
„Zeitungs-Verlags“ damals — „darauf hinzuweisen, daß die 
Zeitungen diese, vom Pressestandpunkt aus gesehen, unmora- 
sche (!!) Anzeige unbedingt ablehnen müssen!“ 
Die Organisation der deutschen Redakteure war in ihrer 
Stellungnahme gegen dieses wirklich hervorragend ungeschickte 
Preisausschreiben noch sehr viel schärfer. Das Organ der 
Redakteure, die „Deutsche Presse“, schrieb: 
„Es muß der Kurverwaltung zum Bewußtsein gebracht werden, daß 
Sie sich verrechnet hat, wenn sie glaubt, auf diese Weise ihren An- 
zeigenetat schonen zu können, und sie muß einen Denkzettel dafür 
bekommen, daß sie es gewagt hat, die Gesamtheit der Redakteure in 
aller Öffentlichkeit zu beleidigen oder doch mindestens in einen bösen 
Verdacht zu bringen. Denn jedermann, der dieses Preisausschreiben 
gelesen hat, muß, wenn er später in seinem oder in einem anderen Blatte 
Einen Aufsatz, ein Gedicht, ein Bild oder sonst etwas über den Kurort 
findet, zu der Meinung kommen, der Redakteur spekuliere durch die 
Aufnahme dieser Reklame auf einen Preis oder stecke mit dem Ver- 
fasser oder Einsender unter einer Decke, um bei einem ihm etwa 
Zufallenden Preis „halbpart“ zu machen. . Allen Schreibseligen, Verse- 
Schmieden und Liebhaberphotographen müßte durch die Verweigerung 
der Aufnahme ihrer Schöpfungen beigebracht werden, daß die Zeitungen 
Sich nicht dazu hergeben, ihnen die Möglichkeit zu bieten, auf ihrem 
Rücken Geldgewinne zu machen.‘ 
. Es ist wohl überflüssig, noch mit dem Zaunpfahl darauf 
hinzuweisen, an was die „Deutsche Presse“, an was der 
„Zeitungs-Verlag‘“ sich bei diesem Preisausschreiben gestoßen 
haben und warum man diese Anzeige unmoralisch — ein viel 
Zu hartes, weil fast vernichtendes Urteil! — nennt und unbe- 
dingte Ablehnung empfiehlt. Ganz kurz sei nur angedeutet, daß 
der Verein Deutscher Zeitungsverleger seit Jahr und Tag dafür 
kämpft, den Textteil der Presse von Reklameauswüchsen frei 
ZU halten! In diesem Bestreben hat der Verein die ganze 
anständige Presse auf seiner Seite und jeder, der in irgendeiner 
Form mit der Werbung und Reklame betraut ist, muß diese 
PSychologischen Momente kennen und muß mit dieser psycho- 
logischen Einstellung der Zeitungsmänner rechnen. Tut er es 
hicht, so setzt er sich, ohne Not, der Gefahr aus, daß seine 
Werbearbeit ins Gegenteil verkehrt wird. 
In dem Kapitel „Anregungen und praktische Beispiele für 
Preisausschreiben und Wettbewerbe“ gebe ich ein Preis- 
ausschreiben literarischen und eines künstlerischen Charakters 
Wieder, worin beide Male der gleiche Fehler, der die Zeitungs- 
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