126
DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
berührt. Um wie vieles wohnlicher könnte, mit den einfachsten
Mitteln, ein solches Zimmer gemacht werden, wenn eine sorg-
liche Hand eine kleine Auswahl hübscher Ansichtskarten aus
dem eigenen Haus, in nette Auswechselrähmchen gesteckt, an
verschiedenen Stellen verteilen wollte. Daß solche Rähmchen
bei größerem Bezug nur wenige Groschen kosten, setze ich als
bekannt voraus. Wenn im Laufe der Saison sich wirklich einige
dieser gerahmten Kärtchen in die Koffer abreisender Gäste
verirren sollten — — in Kleinigkeiten soll man groß sein!
In jedem gastgewerblichen Betrieb sind täglich Anfragen und
dergleichen zu erledigen. Darunter sind oft genug kurze Korre-
spondenzen, für die eine Ansichtskarte hinreichend Raum
bietet. Man verwende die eigenen Ansichtskarten für diese
Zwecke und verschaffe ihnen dadurch eine weitere Gelegenheit,
als werbender Propagandist zu wirken.
In ihrem Bestreben, durch die Reklame anderer sich neue
Einnahmequellen zu erschließen, ist die Deutsche Reichspost
dazu übergegangen, die Vorderseite ihrer offiziellen Postkarte
für Reklameansichten von Kurorten usw. zu verkaufen. Auf
dem Hauptpostamt des Kurortes Baden-Baden kaufte ich mir
einmal ein größeres Quantum. Als ich meinen Einkauf näher
betrachtete, fand ich zu meiner Verblüffung, daß die vom
Postamt in Baden-Baden verkauften Postkarten eine Reklame-
zeichnung des Bades Salzschlirf enthielten. In so mäßiger Aus-
führung, daß sie dem Käufer und auch Empfänger der Karte
nichts, gar nichts sagte. Da dieses Werk Rat und Kritik in allen
Reklameangelegenheiten vermitteln will, ist kurzes Verweilen
bei diesen Karten der Deutschen Reichspost notwendig.
Zunächst sei bemerkt, daß es wohl eine merkwürdige, unkauf-
männische Gedankenlosigkeit genannt werden muß, wenn in
einem großen Badeort offizielle Postkarten mit der Ansicht
eines anderen Kurortes verkauft werden. In Baden-Baden hatte
man das allerdings, angeregt durch eine kritische Betrachtung
aus meiner Feder im HOTEL, wieder aufgegeben. Ferner sei
die Frage erörtert, ob diese neue Art der Reklame wirklich den
erhofften Erfolg bringen kann. Ich bezweifele es. Es ist ein
absolutes Rätselspiel, in welche Kreise diese Postkarten gelangen
werden und ob diese Kreise überhaupt für den Besuch des
betreffenden Badeortes in Frage kommen können. Die Frage
kann sich jeder einigermaßen Reklamekundige selbst beant-
worten. Dazu kommt, daß diese Art der Reklame mir viel zu