DER SPRECHBRIEF
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Der Hotelier wird den Reisenden für wahnsinnig oder für
betrunken halten. Ähnlich wird ein schwülstiger Werbebrief
aus einem Hotelbureau auf den natürlich empfindenden Emp-
fänger, den man als Gast gewinnen möchte, wirken. Man
vermeide ferner Schablonen, wie sie leider in vielen Briefen
wiederkehren. Zum Beispiel: .
„Wir schätzen uns im Besitze Ihres wer-
ten Gestrigen, in dessen Erwiderung wir
uns höflichst mitzuteilen beehren, daß
Ihnen die gewünschten Zimmer mit Ver-
gnügen zur Verfügung gestellt werden
können."
Wir schätzen uns im Besitz ist nämlich ein bißchen Blödsinn.
Man kann nur einen Brief beantworten, den man „besitzt“.
Entsetzlich ist auch die beliebte Floskel beim Briefschluß: „Mit
Vorliebe stets gern zu Ihren Diensten . . .‘“ oder so ähnlich.
Man schreibe oder diktiere seine Briefe So, wie man sich in
normaler Unterhaltung auszudrücken pflegt. Zum besseren,
gewinnenderen Eindruck kommt dann noch der nicht uner-
hebliche Zeitgewinn. Die oft ganz unsinnigen Redensarten, die
lächerlich wirkenden Papierfloskeln kosten viel Zeit, die mit
Leichtigkeit gespart werden kann. Darum: schreibe, wie du
Sprichst.