DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT ; 497
Unterschiede und das Charakteristische im Völkerleben ver-
wischen, so mag sie das kalt lassen. Neben ihnen bleibt immer
noch genug Bodenständiges und Wurzelechtes bestehen, Ihre
Mission ist auch schön. Sie ist ethisch. Sie hat große Ziele. Denn
die internationalen Hotels dienen dem Weitverkehr und fördern
ihn. Sie bringen die Völker einander nahe und sind die ersten
und vorzüglichsten Mittler, damit die Menschen sich kennen-
lernen. Ohne Rücksicht auf ihre Heimat und Rassenzugehörig-
keit. Ich halte es für keine Utopie, daß mit dem Anwachsen
und der Ausbreitung von internationalen Hotels auch der
Gedanke des Völkerbundes an Boden gewinnt. Verbinden wird
sich nur, wer sich kennt. Durch weite Räume und Meere
getrennte Menschen können sich jedoch nur kennenlernen,
wenn sie auf Reisen gehen. Die Reiselust aber wird gefördert,
erstens durch eine zielsichere, internationale Verkehrspropa-
ganda, zweitens durch das Vorhandensein kosmopolitischer
Hotels, die das beschwerliche Reisen erleichtern. Darum seien
wir stolz auf unsere international geführten Gasthöfe. Wünschen
wir ihnen, daß sie sich in allen Erdteilen fruchtbar vermehren.
Je mehr wir von ihnen haben, in desto weitere Fernen rückt
ein neuer Weltkrieg. Völker, die einander kennengelernt haben,
die durch persönliche Fühlungnahme voneinander wissen und
seelischen Kontakt gewonnen haben, werden nicht so leicht
noch einmal aufeinander losschlagen wie anno 1914 bis 1918,
Anders ist es mit den internationalen Kaffeehäusern und
Gaststätten. Genau genommen ist das Wort „international“ hier
nicht am Platze. Ich wende es aber an, weil ich von Kaffee-
häusern und Gaststätten in aller Welt plaudern will. Gaststätten,
die selbst ganz bodenständig, ganz landestümlich sind, die aber
in verschiedenen Ländern liegen. Auch will ich von ihnen nicht
nur mit Worten erzählen, sondern auch einige anschaulich im
Bilde vorführen. Also eine kosmopolitische Reise, die interessant
und doch nicht anstrengend sein soll.
„Wolfram von Eschenbach, beginnel‘“ So wird in Wagners
Oper „Tannhäuser‘“ der Sängerwettstreit auf der Wartburg
eröffnet. Da auf, beziehungsweise bei der Wartburg sich auch
ein Hotel und Restaurant befindet, das international bekannt
ist, sollte ich meinen Gaststätten-Wettstreit eigentlich mit diesem
beginnen lassen. Doch ich bin der Meinung, daß meine Heimat
Deutschland in diesem Falle zurückzustehen hat und nicht von
sich selbst erzählen darf.