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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
den Grenzen der Tatsachen bleiben. Es sei hier an ein Beispiel
aus jüngster Zeit erinnert. Der Verkehrsverein eines Ööster-
reichischen Wintersportplatzes hatte die Anfrage einer Sport-
vereinigung in England nach den Schneeverhältnissen dahin
erwidert, daß sie günstig seien. Als die Sportler eintrafen, fanden
sie keinen beziehungsweise nicht genügend Schnee für Aus-
übung des Wintersports vor, gingen zum Kadi und verklagten
den Kurort auf Ersatz ihrer nutzlos aufgewendeten Reise-
spesen. Hier war den Anfragenden wohl geantwortet worden,
was zu hören ihnen Freude machte, aber es ist doch nicht das
Richtige gewesen, weil es nicht richtig war.
Die amerikanische Psyche ist auf Sensationen eingestellt.
Ganz besonders kultiviert wird die gesellschaftliche Bericht-
erstattung, fast hätte ich Klatsch geschrieben. In diesem demo-
kratischsten aller Länder verfolgt die breite Öffentlichkeit das
Leben und Treiben seiner „upper ten thousand“, seiner guten
Gesellschaft, mit einer Aufmerksamkeit und einem kindlichen
Interesse, das für uns nahezu unverständlich ist. Hier sollte
der Amerikaner gepackt werden, an diesem psychologischen
Punkt sollte ein Teil unserer amerikanischen Propaganda ein-
setzen. Da der Amerikaner in seiner Presse allerhand Wichtig-
keiten und — — Nichtigkeiten über das hören will, was man
unter dem Sammelbegriff der guten Gesellschaft versteht, so
serviere man ihm diese Kost. Vielleicht, wahrscheinlich sogar,
wird sie sich besser bezahlt machen als wunderschöne Werbe-
schriften, die, leider, so oft dem Schicksal vielen bedruckten
Papieres verfallen. Nun möge ein Beispiel folgen, wie ich mir
diese Gelegenheitswerbung denke.
In der „Amerikanischen Schweizer-Zeitung‘ die in New York
erscheint und keineswegs nur von Schweizern gelesen wird,
fand ich folgende Notiz: „Unter den Kurgästen in Gstaad sind
zu erwähnen: Der Maharadscha Gaekwar von Baroda, Herzog
und Herzogin von Hamilton, Lords Malcolm, David und Rigel
Hamilton, Marquess von Clydesdale, Marquis Raul de Riencourt
mit Familie, der berühmte Maler John Newson und andere.
In Grindelwald sind anwesend: Sir Arthur Conan Doyle, der
vor 30 Jahren mit Freunden den Skisport in Davos und in der
Schweiz einführte, der bekannte Verfasser der Sherlock Holmes-
Geschichten, mit Familie. In Mürren weilen der Schriftsteller
William Le Queux, Verfasser einer Schrift über Interlaken, Sir
Claude Shuster, General Sir Ch. Hobell, Admiral Sir Ch. Kings-