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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
jenem schönheitstrunkenen Hagestolz. Wir alle sind lieber von Schönheit
als von Häßlichkeit umgeben, Darin liegt zugleich eine Mahnung an
unsere, Frauen:
Hütet eure Schönheit. Bewahrt und pflegt eure Reize. Meidet Vermeid-
bares, was eurer Schönheit schaden könnte.
Ein gefährlicher Feind fraulicher Schönheit ist das Übermaß von Arbeit
in Haushalt und Küche. Übertriebene Reinemachesucht macht dem Manne
das Heim ungemütlich, und sie nimmt der Frau allmählich aber sicher
den Reiz der körperlichen Schönheit. Sie stumpft den Geist ab und das
wirkt schädlich auch auf die körperliche Schönheit ein.
Noch gefährlicher wird der Frauenschönheit übertriebene Arbeit am
heißen Küchenherd. Hier möchte ich dem Manne mehr Einsicht predigen.
Wenn er Schönheitssinn hat — und den haben wir Männer doch alle —
und wenn ihm die schlanke, ranke Schönheit seiner jungen Frau Freude
macht, dann werde er auch zum Hüter und Schützer dieser Körper-
schöne. Dann dulde er es nicht länger, daß seine Frau am heißen Herd
und in dunstiger Küche Überstunden macht!
„Überstunden?“ höre ich erstaunte Fragen. „Wie kann in der Ehe von
Überstunden die Rede sein?“
„Ja, Überstunden!“ Es ist so. Jede Frau, die auch an Sonn- und
Feiertagen stundenlang in der Küche und am heißen Herd hantieren
muß, damit der Mann ein besonders leckeres Mittagsmahl verspeisen
kann, leistet Überstunden! Denn sie hat schon an sechs Wochentagen
die gleiche schwere Arbeit tun müssen, während unser soziales Zeit-
alter doch jedem Menschen einen wöchentlichen Ruhetag bereiten will!
Auch der Mann hat diesen Ruhetag. Er genießt ihn froh. Denkt aber
nicht daran, daß sein anderes Ich, seine Frau, umso eher Anspruch
auf die gleiche soziale Errungenschaft hat, als sie der schwächere Teil
in jenem Kameradschaftsbündnis ist, das wir Ehe nennen. Mißmutig
wird der schönheitsdürstige Mann es sehen, wie das anmutige Bild
seines jungen Weibes langsam verblaßt. Wie Abgespanntheit und Über-
müdung besonders an Sonntagen ihre Runenschrift in das weiche Ge-
sichterl der jungen Frau eingraben.
Deshalb ist es nötig, Alarm zu schlagen. Ehemann, hüte und bewahre
das gütige Geschenk der Natur an deine Frau, ihre körperliche Schön-
heit. Merke auf! Werde ein aufmerksamer Ehemann. Gönne ‚deiner
Frau einen Ruhetag, der ihr und dir gehört. Denn auch dir wird dieser
Tag der Ruhe zugutekommen. Ihr werdet ihn zusammen in Schönheit
genießen. Die Schönheit deiner Frau wird wie eine Wunderblume neu
aufblühen, wenn du ihr einen vollen Tag des Ausruhens läßt. Führe,
als ein aufmerksamer Ehemann, deine Frau fortan an jedem Sonn- und
Feiertag in eine jener behaglichen Gaststätten zum Speisen, die wir in
allen deutschen Städten haben, und du wirst es erleben, wie jeder Sonntag
zu einem wirklichen Tage voll Sonne für euch wird. Ein Tag sonniger
Freude, auch wenn Wolken am Himmel stehen. Aller Augen werden
sich auf euch richten, sobald du mit deiner Frau in den Speisesaal
trittst, denn sie wird in jugendlicher Schönheit aufgeblüht sein, weil
sie einen vollen Ruhetag, fern von Küchenhast und Küchenhitze, mit dir
verleben darf.