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'DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Stammkapital wurde der Riesenbetrag von 5000 Mk. genannt.
Wer jemals etwas Näheres über die Unkosten bei Herausgabe
eines guten, brauchbaren Adreßbuches gehört hat, der weiß
Bescheid, „was‘‘ mit einem solch lächerlich kleinen Betriebs-
kapital geleistet werden kann. Es wird deshalb nicht verwun-
Aern, daß der Verlag Generalvertreter gegen Kaution anstellte.
Diese lassen dann Untervertreter auf die beglückte Geschäfts-
welt los. Da diese Vertreter in den meisten Fällen von der Sache
gar nichts verstehen — vielfach sind es problematische und
gescheiterte Existenzen, zuweilen auch Stellenlose, die einst
bessere Tage sahen — so müssen ihnen natürlich Hilfsmittel,
alias Richtlinien, für ihre Werbearbeit zur Verfügung gestellt
werden. In den Richtlinien des Ria-Verlages soll sich folgender
deutlich redender Satz befunden haben:
„Darum muß jeder, der im Ria-Werke aufgenommen werden
will, auch bezahlen!‘
Diese eine Richtlinie genügt, um die Tendenz des Verlages
zu kennzeichnen. Man weiß, mit wem man es zu tun hat. Es
entspricht durchaus den anständigen kaufmännischen bezie-
hungsweise verlegerischen Gepflogenheiten, daß die Aufnahme
in irgendein Branchen-Adreßbuch niemals von der Bezahlung
abhängig gemacht werden darf, sondern ausnahmslos unent-
geltlich erfolgen muß. Bezahlung verlangt werden darf höch-
stens bei Inanspruchnahme eines größeren als den normalen
Raum oder bei Aufgabe eines Inserates im Anzeigenanhange.
Wobei zu beachten ist, daß der unentgeltlich zur Verfügung
stehende Raum allermindestens für jene Angaben genügen
muß, die der Benutzer des Nachschlagewerkes wissen will und
ohne die es wertlos — für das angegebene Hotel sowie für den
Adreßbuch-Benutzer — sein würde.
Einen tiefen Einblick in die Psyche solcher Verleger, die die
Aufnahme der Adressen von einer Bezahlung abhängig machen,
ermöglicht ein anderer Passus der famosen „Richtlinien“, die,
wohlgemerkt, nur für die Vertreter, keinesfalls für die ahnungs-
los zu erhaltenden Opfer, bestimmt waren. Diese Richtlinien
legen dem vom Vertreter zu bearbeitenden ..Kunden‘“ folgende
Frage in den Mund:
„Wo soll ich bei der schlechten Zeit das Geld für Reklame
hernehmen? Ich kann meine Schulden nicht einmal bezahlen!“
Darauf soll der Ria-Vertreter mit der von ihm erwarteten
Schlagfertigkeit folgendes antworten: