Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

AUSKLANG 
799 
Für die Hotels ist ein blühender, nationaler und inter- 
nationaler Fremdenverkehr, ohne behördliche Hemmungen 
durch Paß-, Visum- und polizeiliche Anmelde-Schikanen, ohne 
untragbare Luxussteuern, ohne hohe Gebühren für fremde 
Automobilisten usw., eine Lebensnotwendigkeit. Langsam hat 
man die Wichtigkeit des Fremdenverkehrs auch in amtlichen 
Kreisen erkannt. Man schuf Zentralen, denen die Förderung 
des Fremdenverkehrs übertragen wurde. Auch in Deutschland 
wurde vor einigen Jahren die „Reichszentrale für Deutsche 
Verkehrswerbung“ geschaffen. Ich habe ihr ein besonderes 
Kapitel gewidmet. Mit dieser offiziösen Stelle für Verkehrs- 
werbung steht Deutschland natürlich nicht etwa einzig da, 
denn auch andere Reiseländer haben, wie schon erwähnt, solche 
amtlichen Stellen. Einzig steht Deutschland wohl nur darin da, 
daß sowohl von der Reichsregierung und den Länderregierun- 
gen als auch von den Parlamenten des Reiches und der Bundes- 
staaten für die Förderung des volkswirtschaftlich so wichtigen 
und wertvollen Fremdenverkehrs nicht die Mittel zur Ver- 
fügung gestellt werden, die notwendig wären, wenn ebenso 
großzügige und erfolgreiche Arbeit geleistet werden soll, wie es 
in anderen Ländern mit regem Fremdenverkehr geschieht. Ich 
erinnere an Bayern, dessen Bevölkerung ein sehr großes Inter- 
esse am Fremdenverkehr hat, und wo viele wichtige Kurorte 
fast nur vom Fremdenverkehr leben. Der Finanzausschuß des 
bayerischen Landtages warf für 1925 die „Riesensumme“‘ von 
40.000 Mark für die Förderung des Fremdenverkehrs aus. Also 
ein Betrag, den ein kleines Warenhaus in einer Provinzstadt 
allermindestens für seine Reklame ausgibt. Für 1926 reduzierte 
derselbe Landtag diesen „Riesenbetrag‘“ sogar auf nur 20.000 
Mark. Difficile est, satiram non scribere. Es ist schwer, darüber 
keine Satire zu schreiben! 
Diese übertrieben bescheidene Zurückhaltung gegenüber den 
Belangen des wichtigen Fremdenverkehrs ist um so befremd- 
licher, als der Staat aus den Hotels, den Hauptinteressenten 
des Fremdenverkehrs, ungeheure Summen durch Steuern und 
Abgaben aller Art herausholt. Der kurzsichtige Staat handelt 
hier wie jener habgierige Bauer, der aus seinem ertragreichen 
Boden nur immer herausholte und erntete, ohne für recht- 
zeitige, regelmäßige und kluge Düngung zu sorgen. Als der 
Boden dann nichts mehr hergab, nur noch Dornen und Disteln,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.