AUSKLANG
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Für die Hotels ist ein blühender, nationaler und inter-
nationaler Fremdenverkehr, ohne behördliche Hemmungen
durch Paß-, Visum- und polizeiliche Anmelde-Schikanen, ohne
untragbare Luxussteuern, ohne hohe Gebühren für fremde
Automobilisten usw., eine Lebensnotwendigkeit. Langsam hat
man die Wichtigkeit des Fremdenverkehrs auch in amtlichen
Kreisen erkannt. Man schuf Zentralen, denen die Förderung
des Fremdenverkehrs übertragen wurde. Auch in Deutschland
wurde vor einigen Jahren die „Reichszentrale für Deutsche
Verkehrswerbung“ geschaffen. Ich habe ihr ein besonderes
Kapitel gewidmet. Mit dieser offiziösen Stelle für Verkehrs-
werbung steht Deutschland natürlich nicht etwa einzig da,
denn auch andere Reiseländer haben, wie schon erwähnt, solche
amtlichen Stellen. Einzig steht Deutschland wohl nur darin da,
daß sowohl von der Reichsregierung und den Länderregierun-
gen als auch von den Parlamenten des Reiches und der Bundes-
staaten für die Förderung des volkswirtschaftlich so wichtigen
und wertvollen Fremdenverkehrs nicht die Mittel zur Ver-
fügung gestellt werden, die notwendig wären, wenn ebenso
großzügige und erfolgreiche Arbeit geleistet werden soll, wie es
in anderen Ländern mit regem Fremdenverkehr geschieht. Ich
erinnere an Bayern, dessen Bevölkerung ein sehr großes Inter-
esse am Fremdenverkehr hat, und wo viele wichtige Kurorte
fast nur vom Fremdenverkehr leben. Der Finanzausschuß des
bayerischen Landtages warf für 1925 die „Riesensumme“‘ von
40.000 Mark für die Förderung des Fremdenverkehrs aus. Also
ein Betrag, den ein kleines Warenhaus in einer Provinzstadt
allermindestens für seine Reklame ausgibt. Für 1926 reduzierte
derselbe Landtag diesen „Riesenbetrag‘“ sogar auf nur 20.000
Mark. Difficile est, satiram non scribere. Es ist schwer, darüber
keine Satire zu schreiben!
Diese übertrieben bescheidene Zurückhaltung gegenüber den
Belangen des wichtigen Fremdenverkehrs ist um so befremd-
licher, als der Staat aus den Hotels, den Hauptinteressenten
des Fremdenverkehrs, ungeheure Summen durch Steuern und
Abgaben aller Art herausholt. Der kurzsichtige Staat handelt
hier wie jener habgierige Bauer, der aus seinem ertragreichen
Boden nur immer herausholte und erntete, ohne für recht-
zeitige, regelmäßige und kluge Düngung zu sorgen. Als der
Boden dann nichts mehr hergab, nur noch Dornen und Disteln,