Wirischaftsgeschichte der deutschen Kolonien
besserung und Ausrüstung im fernen Osten
stationierter Schiffe und ihrer Kohlenversorgung,
dazu aber auch der wirtschaftlichen Erschließung
der Halbinsel (Provinz) Schantung dienen. Das
Pachtgebiet hat mit 500 4km den Umfang
des Hamburgischen Staatsgebiets. Daraus hal
sich unter der Leitung weitblickender Gouver—
neure (Rosendahl, Jaeschke, Truppel, Meyer—
Waldeck) eine für subtropische Verhältnisse —
Tsingtau liegt unter dem Breitengrade von Tunis
und Algier — mustergültige Stadt, mit einem
ausgezeichneten Hafen, Aufforstung des benach—
barten Gebirgszuges und einer deussch-chinesischen
Hochschule und die 435 km lange Schantung—
bahn durch das Kohlengebiet der Provinz eni—
wickelt. Der Handel belief sich auf 200 Meil⸗
lionen M. Es wurden besonders Strohborten,
Bohnenkuchen, Erdnußöl, Erdnüsse, Seide, Häute
ausgeführt. „Großartig,“ schreibt die „Quinzaine
Coloniale“ am 10. Mai 1908, „ist der Hafen
von Tsingtau, ein richtiger Hafen nach Lduro—
päischem Muster, wie ihn weder Yokohama
noch Schanghai besitzen, wo die größten Schiffe
an mehr als 2 km langen Kais anlegen können.
Ein über 4 Km langer Hafendamm' schützt den
Hafen vor Versandung. Es befinden sich dort
Reparaturwerkstätten, Trockendocks und ein
Schwimmdock, das Schiffe von 16000 t auf—
nehmen kann, und im ganzen sernen Osten seines⸗
gleichen sucht. Und „United Empire“ (London
1912) fügte hinzu: „So alt wir als Kolonialvolf
auch sind, so haben wir doch noch nicht ausgelernt,
befonders wenn das Wort, kolonisieren im moͤdernen
Sinn gebraucht wird. Viel können wir lernen
von dem, was Deutschland ruhig und unauffällig
in China tut. Die deutschen Maßnahmen zut
Durchführung von Ordnung und System, Hygiene
und Aufforstung erzwingen Achtung und sprechen
zu dem erwachenden China in beredter Weise
von einem Lande, das ihm wie eine aus der
Dunkelheit emporgestiegene neuweltliche Macht
erscheint. China empfindet nicht mehr Kiautschou
als einen Dorn in seinem Fleische, sondern als
eine Stelle, von der Gesundheit auf das himm—
lische Reich ausstrahlt.“
vegen der Artauswahl und der zu bekämpfenden
Schädlinge, sondern besonders deswegen, weil sie
zanz xegelmäßige und scharfe abgegrenzie Regen—
ind Trockenzeilen oder Bewässerungsinöglichkeit
»oraussetzt. Es darf deshalb nicht wundernehmen,
»aß die Versuchsperiode verhältnismäßig so aus—
zedehnt war: anderseits war dieses Staduüm 1914
im großen und gauzen überwunden, so daß mit
dein Einsetzen regelmäßiger und steigender großer
Lieferungen gerechnet werden konnte.
8. Die Schiffahrt nach den Schutzgebieten
Hand in Hand mit der wirtschaftlichen Ent⸗
vicklung ging die Entfaltung der Schiffahrt
Jach Deutschlands überseeischen Besitzungen“).
Sie hatte den Stand erreicht, der eine schnelle
ind zweckmäßige Verbindung zwischen dem Mutter—
ande und den Kolonien gewährleistete und den
Bedürfnissen entsprach. Die älteste und zugleich
vichtigste Linie, die den Verkehr nach und von
inseren west⸗ und füdwestafrikanischen Kolonien ver—
nittelte, ist die Woermannlinie. Bereits um
die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte das
Zaus Woermann an der Kameruner Küste eine
Reihe von Fakloreien errichtet, die untereinander
ind mit dem Heimatlande durch eine kleine Segler⸗
lotte in Verbindung standen. An die Sitelle
)er Segler traten Ende der achtziger Jahre
Ddampfer, die bald einen regelmäßigen Verkehr
nufnahmen, so daß ihnen die Beförderung der Post
ibertragen werden konnte. Die von Woermann
zegründete Afrikanische Dampfschiffahrts-A.-G.
sob sich zusehends trotz scharfer englischer Kon⸗
urrenz und obwohl ein Auͤtrag auf Subvention
884 von dem Reichstag abgelehnt wurde. 1887
ählte die Flotte der Gesellschaft bereits acht große
ind fünf kleinere (für die Küstenfahrt bestimmie)
Ddampfer, 1896 kaufte Woermann die Afrika—
ische Dampfschiffahrts-Gesellschaft, insgesamt
5 Dampfer, mit 28000 Brutto⸗Register⸗Toͤnnen.
Die Woermann⸗-Flotte vergrößerte sich dann von
Fahr zu Jahr und zählte 1914 40 Schiffe, dar—
inter drei Doppelschraubendampfer von 7000 bis
1500 Tonnen. Alle wichtigen Plätze der West—
lüste Afrikas von Marokko bis zum Kapland
vurden angelaufen. Neben der Woermannlinie
waren die Hamburg-Amerika-Linie und die Ham—
burg⸗Bremer⸗Afrika-⸗Linie Morddeutscher Lloyd)
an dem westafrikanischen Schiffahrtsverkehr be—
seiligt, beide mit je zwölf geräumigen und modern
eingerichteten Frachtdammpfern. Jusgesamt zählte
ilso die für den westafrikanischen Dienst zur Ver—
riügung stehende Flotte 64 Schiffe.
Den Ostafrikadienst versah die Deutsche
OstafrikacLinie, die im Juli 1890 mit einer staal—
lichen Subvention eröffnet wurde. Anfänglich
bestand eine vierwöchentliche Verbindung von
7. Die Baumwollfrage in den Schutzgebieten
Es muß noch von der Baumwolle geredet
werden, weil von der Baumwoll- und Wollein—
fuhr in Deutschland 1 Million Textilarbeiter,
d. h. mit Angehörigen und den Arbeilern der
Hilfsindustrien und deren Angehörigen 7 Millionen
Menschen abhängig sind. Es kann nicht ver—
schwiegen werden, daß der Menge nach die Schutz⸗
gebiete die Hoffnung bisher micht erfüllt haben,
die man hegte. Denn während wir aus den
Vereinigten Staaten 500000 6 einführten, lieferte
Togo nur 2000, Deutsch-Ostafrika 8000 Ballen.
Die Baumwolle hat sich wider Erwarten als
eine sehr schwierige Kultur erwiesen, nicht un
*) Nach W. Roß in „Weltverkehr und Weltwirt—
schaft“.
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