Im Rahmen der freien Tauschwirtschaft steigt der Preis
beim Mangel an einer Ware und sinkt beim Überflusse. Die
Preisbewegung beeinflußt. die Höhe des Arbeitslohns in den
verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft, was nun seinerseits
eine erneute Verteilung. der Arbeitskraft auf die verschiedenen
Produktionsgebiete — entsprechend den aktuellen
sozialen Bedürfnissen — zur Folge hat. In der sozialistischen
Gesellschaft hingegen beeinflußt die Schwankung der
Nachfrage nach Waren deren Preise nicht und die Arbeitsentlohnung
ist vom Prinzip der Gleichheit beherrscht. Daher
verfügt die sozialistische Wirtschaft nicht über einen Mechanismus,
der eine spontane Verteilung der Arbeitskraft auf
verschiedene Produktionszweige gemäß den Bedürfnissen der
Allgemeinheit bewirken könnte; da aber eine solche Verteilung
doch eine soziale Notwendigkeit ist, so bleibt eben
nichts anderes übrig, als sie im Wege des Zwanges vorzunehmen.
Die Arbeitsarmeen erschienen daher im Rahmen
des Sozialismus als eine ideale Organisation der Arbeit.
Braucht man indessen im 20. Jahrhundert noch zu beweisen,
daß erzwungene Arbeit weniger ergiebig als die
freie sei?
Das Problem der politischen Freiheit führt uns zwar über
den Rahmen unserer Untersuchung hinaus, doch dürfte es
nach dem Ausgeführten ohne weiteres klar sein, wie es sich
mit dieser Freiheit im Sozialismus verhält. Der wissen.
schaftliche Sozialismus behauptet — unserer Ansicht nach
mit vollem Recht —, daß öffentlich-rechtliche Institute nicht
im luftleeren Raume schweben können, daß sie vielmehr ein
wirtschaftliches Fundament besitzen müssen. Die kapitalistische
Gesellschaft hat die Rechte des Menschen und des
Bürgers verkündet, und diese Deklaration hängt denn auch
eng mit den wirtschaftlichen Grundlagen des Kapitalismus
zusammen: mit der freien Konkurrenz, mit der freien Gestaltung
des Konsums, mit der Freiheit der Arbeit, vor allem
aber mit dem Prinzip des Privateigentums. Solange diese
Grundlagen fest bleiben werden, wird auch die Deklaration
der Rechte in Kraft bleiben. In der sozialistischen Gesellschaft
hingegen fehlen die wirtschatlichen Voraussetzungen
für die individuelle Freiheit überhaupt und die politische
Freiheit insbesondere, und unsere Kommunisten lehnen daher
vollkommen folgerichtig diese Freiheiten als eine Institution
der bürgerlichen Gesellschaft ab.
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