der Festlandmassen nicht entwickeln. Es blieb die nordsüdliche
Richtung übrig. Nur zwei Ozeane berühren Nord- und Südpolar-
gebiete, der Atlantische und der Pazifische Ozean. Von diesen
beiden ungeheuren Wasserschalen konnte sich einzig und allein
der Atlantische Ozean zu einem kulturellen Mittelmeer entwickeln.
Seine Ufer laufen wie bei einem Tale, wie Alex. v. Humboldt
bereits sagte, oder wie bei einem Stromlaufe fast parallel zueinander in
einer durchschnittlichen Entfernung von 5500 Kilometern, die Küsten
des Großen Ozeans hingegen fliehen einander und sind da am
weitesten voneinander entfernt, wo gerade ihre Annäherung mehr
als erwünscht wäre. Die Entfernung von Panama bis zu den
Küstengestaden Hinterindiens beträgt in gleicher Höhe 180 Grade,
d. h. den halben Erdumfang, oder, auf dem zehnten Parallelkreise
gemessen, 19733 Kilometer (rund 20000 Kilometer). Somit ist
die Entfernung ungefähr dreiundeinhalbmal größer als die der
atlantischen Ostküste zur Westküste in gleicher Breitenlage. Die
riesigen pazifischen Strecken, die verkehrstechnisch große Hinder-
nisse bedeuten, und das gesamte Areal des Großen Ozeans lassen
von vornherein eine derartige Bezeichnung „der Große Ozean
das Mittelmeer der Zukunft‘, die von Napoleon herrührt und in
unseren Tagen so oft wieder zitiert wird, als gedankenlose Phrase
erscheinen. Im Folgenden wird noch Öfters Gelegenheit gegeben
sein, gerade die Haltlosigkeit dieses Ausspruches erkennen zu
lassen.
Wirtschaftsgeographisch ist der Atlantische Ozean im Norden
völlig abgeschlossen; obendrein ist er hier noch bedeutend ein-
geengt, wie das Globusbild lehrt, und sein wirtschaftliches Nord-
ende erscheint weiter nichts als eine grönländisch-skandinavische
Bucht, deren Mitte 800 bis 900 Kilometer von den begrenzenden
Ländern entfernt ist. Das Südende des Atlantischen Ozeans stößt
an das bis auf den Fang von Fell- und Trantieren wirtschaftlich
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