nistan, das südliche chinesische Turkestan, Nordtibet, Westszet-
schuan und Westsiam als Außenglacis zum Schutze Indiens, des
Juwels der englischen Krone. Nachdem es das Mandat über
Deutschostafrika zu einem dauernden Besitz zu gestalten gedenkt und
Mosambik zu seinen Interessengebieten gehört, hat es den gesamten
Indischen Ozean mit Anrainländern in eine einzige große Macht-
sphäre verwandelt, so daß wir berechtigt sind, heute von einem
Britischen Indiameerreich zu sprechen (vgl. Pol. K., S. 59).
Dadurch ist Großbritannien auf den Höhepunkt seines indischen
Macht- und Kraftfeldes angelangt. Die Freude hierüber ist in-
dessen nicht ganz ungemischt. Die russischen Umtriebe in Persien
und Afghanistan und in anderen nachbarnahen oder -fernen Ge-
bieten kommen nicht zur Ruhe. Ferner ist das Problem China seit
1925 Erschütterungen ausgesetzt, die Vorboten von Verwicklungen
und Ereignissen sein können, die sich weiter nach Westen, nach
Hinter- und Vorderindien fortsetzen, auch bei der heutigen straffern
Gestaltung Chinas.
Im Westen und Osten hängt das Britische Indiameerreich an zwei
bedeutenden Angeln, am Suezkanal und an der Malakkastraße (Sin-
gapore). Die wichtigere von beiden ist offenbar der Suezkanal, von
dem Bismarck schon sprach, daß er der Nerv im Genick
des britischen Weltreiches ist. Der militärische Ausbau von Singa-
pore zeigt, wie hochgeschätzt ebenfalls diese Eingangs- und Aus-
gangspforte ist. Auch in ihrer weiteren Fortsetzung ist die Suez-
öffnung weltpolitisch mehr als die Ostöffnung bevorzugt. Die west-
liche Etappenstraße zieht sich über Cypern, Malta und Gibraltar
zum Atlantischen Ozean. Wir erkennen in ihr den wichtigsten Weg
zum Indischen Ozean. Zugleich ist sie ein Beleg dafür, daß Macht-
nolitik auch ohne Besitz größerer entsprechender Räume getrieben
werden kann. Das ist aber auch nur Großbritannien in vorliegen-
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