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sein — von den vier Millionen Büchern des »British Museum« kann
jedes in fünf Minuten hervorgeholt werden. Doch überschätze man
den Wert der Ablage nicht: Abhilfe gegen Unordnung schafft nicht
lie beste Ablage, auch nicht eine »Wo ist es?-Abteilung«, ein
Fehlerkorrigiersystem, sondern nur tüchtige Menschen.
Wir gelangen nunmehr zu einer der wichtigsten wirtschafts-
psychologischen Maßregeln im Vertriebe: zur »Verkaufskunst«
der »Kundenwerbungslehre«, Die amerikanischen Universitäten
lehren diese Disziplinen in mehreren ausführlichen Kollegien; große
Betriebe Amerikas, auch schon in Deutschland und Österreich,
naben ihre eigenen Verkäuferschulen; neben der persönlichen
Rolle, die der Verkäufer — im Geschäfte oder als Reisender —
zu spielen hat, kommt neuerdings die sachliche Frage der Kunden-
werbung, die Werbekunst, die Werbewissenschaft (Reklame),
zu immer größerer Bedeutung.
Kundenwerbung, Verkäuferschulung.
Die Hauptgesichtspunkte, die bei der Kundenwerbungslehre
in Betracht kommen, sind, was nach vielerlei Schriften und Vor-
lIrägen (des Ingenieurs Spitz, des Professors Schigut u. a., gehalten
im Wiener »Amerikaausschusse«) etwa folgende. Der Verkäufer
muß dafür sorgen, daß ehebaldigst zwischen ihm und den Kunden
die sogenannte »Kaufatmosphäre« geschaffen werde, er muß dem
Käufer die Überzeugung beibringen können, daß sein Kauf für ihn
von Nutzen ist, daß die vorgelegte Ware in Qualität und Preis
seinen Wünschen voll entspreche. Der Verkäufer darf nicht egoistisch
Geld erraffen wollen, ein Stück um möglichst hohen Preis an .den
Mann bringen wollen. Er soll den Gegenstand, wenn irgend möglich,
im Gebrauch zeigen, denn Bewegung interessiert immer, besonders
bei Argwohn. Amerikanische, neuerdings auch deutsche Firmen der
Schwer- und Maschinenindustrie statten ihre Reisenden nicht mehr
mit toten Diagrammen und Beschreibungen aus, sondern mit einem
Taschenkinoapparat, der die Maschinen in Tätigkeit vorführt. Zögert
oder mißtraut der Kunde, so wird der Verkäufer zunächst eine
‚Parallelität der Gedankenreihe« beider Personen (z. B. dadurch, daß
er selbst einige Fehler zugibt) hervorrufen, um daran anknüpfend
mit der Zeit doch die Zustimmung des Kunden zum Kaufe zu
erzielen. Die Fachleute schildern dann recht ergötzlich, wie die
einzelnen Kunden je nach ihrem Charakter, den der Verkäufer so