Full text : Wirtschaftlichkeitslehre

120

handen sei oder nicht. (Diese Tatsache ist wichtig wegen der
späteren Kritik der Psychotechnik: Anlaß zu ihr haben praktische
Geschäftsleute, nicht etwa Gelehrte gegeben.) Münsterberg, dem
zweifellos die Methoden seines berühmten deutschen Kollegen
W. Wundt, des Begründers der experimentellen Psychologie, bekannt
waren, studierte an bewährten Arbeitern die Voraussetzungen ihrer
Eignung und fand als solche: Schnelligkeit und Treffsicherheit der
Tand, gutes akustisches Zahlengedächtnis, ein bestimmtes Maß allgemeiner
 Intelligenz und Bildung, Sprechgewandtheit und deutliche
Aussprache u. a. Er ersann besondere Methoden — tests —, um
das Vorhandensein der berufswichtigen Eigenschaften an einem
Menschen festzustellen: das war der Anfang der »Eignungsprüfung«.
Ähnlich verfuhr man dann bei den Prüfungen der Wagenlenker
'Straßenbahnführer, Chauffeure), der Lokomotivführer u. a. m., bis
sich diese Methode auf fast alle Berufe erstreckte.
Bei der Feststellung der Eignung handelt es sich um die Untersuchung
 der allgemeinen Intelligenz und der berufswichtigen Eigenschaften.
 Ursprünglich war die »apparative« Methode stark veroreitet,
 die auch hauptsächlich Grund zur Kritik gab: die Apparate
seien zu kostspielig; der Prüfling könne leicht Apparatescheu
haben, also unter besonderen Hemmungen leiden; die bloß mechanische
 Aufzeichnung der Prüfergebnisse am Apparate sei oft unverläßlich
 usw. Wohl soll der Apparat den geschulten Psychologen
nur unterstützen und ihm liegt an der scharfen Beobachtung des
Prüflings das meiste (»symptomatische Beobachtungen«). Trotzdem
setzte sich in neuerer Zeit die zweite Methode durch, die der
tests, der Arbeitsproben, die möglichst dem wirklichen Leben entnommen
 sind, aber in einfachen Aufgaben bestehen, bei denen der
Prüfling keinerlei besondere Hemmungen erfährt und die weit zuverlässiger
 sind. Ein anderer Einwand besagt, daß eine Untersuchung,
die sich an einer Stelle bewährte, an anderen Orten Mißerfolg habe:
dasUntersuchungsobjekt, der Mensch, ist eben sehr empfindlich und viel
hängt davon ab, wie der Prüfer den Prüfling für die Untersuchung einzustellen
 vermag. Der Prüfer wird jedenfalls noch zu beachten haben:
Schulbildung, Abstammung, Familie, bisherige Beschäftigung des
Prüflings. Zum Beispiel wird eine Test-Reihe, die von einer englischen
Arbeitergruppe aufgenommen wurde, bei russischen Arbeitern ganz
andere Ergebnisse bringen. Der Untersucher muß eben jede Untersuchung
 auf ihre Anwendbarkeit im einzelnen Falle prüfen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.