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minder wichtigen psychologischen, man könnte sagen: sozialpsycho-
logischen Faktoren, die noch einläßlicher zu besprechen seinwerden und
die geeignet sind, das Optimum der Leistung wesentlich zu erhöhen.
Die Psychotechnik als Mittel der Rationalisierung.
Der Name Psychotechnik (eigentlich: angewandte Psychologie)
wird, wie so manche im großen Reiche der Wirtschaftlichkeitslehre,
ım weiteren und engeren Sinne gebraucht. Im engeren Sinne ver-
steht man darunter die Prüfung der Eignung des Menschen (in
psychischer, aber auch physiologischer Hinsicht) für einen bestimmten
Beruf, in Verbindung mit Berufsberatung und Berufsschulung,
wohl auch mit Umschulung Arbeitsloser oder Kriegsverletzter; es
aandelt sich also um vorbetriebliche Mittel der (sozialen) Rationali-
sierung. Die Psychotechnik im weiteren Sinne begreift außerdem
lie wichtigen Untersuchungen arbeitsphysiologischer Natur in sich,
wie die Ermüdungslehre, Zeit- und Bewegungsstudien, Betriebs-
hygiene, Studien über die optimale Arbeitszeit und über Arbeits-
vausen; manche beziehen auch ein die Lehre von den Wirkungen
der Rationalisierungsmaßregeln, z. B. der Fließarbeit, auf die Psyche
‚und die Physis) des Arbeiters, kurz, wie es in einem Berichte des
?”sychotechnischen Institutes der Wiener Industriellen Bezirkskom-
nission (1927) heißt: »Die auf das praktische Leben angewandte
Lehre von den Bewußtseinszuständen (früher sagte man: Seele) des
Menschen.« Anfangs verlacht, wie alles Neue, als »wertlose Spielerei «
der Gelehrten verspottet, später als Eingriff in den persönlichen
Bereich des Individuums getadelt (als ob der einzelne‘ je unab-
aängig von den anderen sich entscheiden und handeln könnte”),
aroberte sich die Psychotechnik doch in fast allen Ländern ernste
Beachtung und gelangte zu eigenen Forschungsinstituten, inner- oder
außerhalb der Hochschulen.!)
Wir wollen nunmehr die wichtigen Aufgaben der »Psychotechnik«
‚oder der »Arbeitskunde«, wenn wir jenen weiteren Sinn zugrunde
'egen) im einzelnen kurz besprechen.
Da ist zunächst die Eignungsprüfung. Sie bezieht sich nicht
bloß auf die psychische, sondern auch auf die körperliche und
1) In Deutschland gab es 1927 schon 211 Anstalten dieser Art (darunter 108
private), in England 58, in Rußland 50, in der Tschechoslowakei 11, in Österreich 7;
auch die Schweiz, Frankreich, Holland, Italien, Spanien und andere Länder besitzen
solche Institute.