F34
Lohnsteigerungen aus Anlaß der Rationalisierung müssen sich nach
der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens richten; bei der Ratio-
nalisierung sei der Lohn nach Aufwand und Leistung zu bemessen,
u. ZW. in Zusammenarbeit von Betriebsleitung und Arbeitervertretung.
Wir. sind der Meinung, daß, wenn die Rationalisierung, was ja ihr
Zweck ist, die Herstellungskosten senkt, auch die Preise entsprechend
ermäßigt werden sollen, um den Absatz zu vermehren; diesen
betriebs- und volkswirtschaftlich wertvollsten Effekt der Rationali-
sierung kann man nun noch wesentlich dadurch verstärken, daß
man die Geldlöhne, soweit dies mit der Senkung der Preise ver-
einbarlich ist, erhöht. Für den Erfolg der Rationalisierung ist es
psychologisch sehr wichtig, daß der Arbeiter das Gefühl habe,
jeder Steigerung .der Leistung entspreche auch eine gerechte
Steigerung. der Löhne.
Von besonderer Wichtigkeit ist der Einfluß, den die Automati-
sierung der Arbeit und die damit häufig verbundene Monotonie
der Arbeit auf den Arbeiter übt, namentlich im Zusammenhalte mit dem
rascheren Arbeitstempo. Die Urteile über diese Wirkungen lauten ver-
schieden. Die einen, worüber z.B. der Physiologe Professor Durig(Wien)
berichtet, erblicken den eigentlichen Grund frühen Invalidisierens in
der einseitigen, immer wiederkehrenden, gleichartigen Beanspruchung
der gleichen Muskeln oder Muskelgruppen; diese werden vorzeitig
abgenützt, ebenso die Nervenzellen, die ständig die gleichen Impulse
zu geben haben; so zeigt sich z. B. beim Feilenhauer Lähmung, beim
Violinspieler und Melker Fingerkrampf; beim Mäher Gelenks-
entzündung, beim Schuster Herzfehler, beim Bergmann Augenzittern
u. a. m. Die frühere Abnützung einzelner Muskeln sei um So be-
denklicher, als es gerade jene Muskeln sind, die für die berufliche
Arbeit am meisten gebraucht werden, wodurch der Betreffende aus
seinem Berufe in einem Alter auszuscheiden gezwungen wird, in
welchem er kaum mehr eine andere Arbeit erlernen kann. Eine
weitere Gefahr wird darin erblickt, daß die Muskelabnützung bei
teichteren Arbeiten erst spät wahrgenommen wird, während bei
schwererer Arbeit die Ermüdung eintritt und als heilsames Schutz-
mittel wirkt.
Das sind ohne Zweifel schwere Anklagen, die, wenn sie begründet
sein sollten, als ein ernstes Argument gegen die technische Ratio-
nalisierung verwendet werden könnten. Zum Glück ist aber hier
ein rein physiologisches Forum zu Gerichte gesessen, ohne daß