Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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die Belegschaft und für den Wirkungsgrad (efficiency) unserer Mit- 
glieder; daher dulden wir keinen in unserer Mitte, der unsere 
standards nicht befolgen will« (aus dieser ckarakteristischen Gewerk- 
schaftspolitik erklärt sich so manches abfällige Urteil, das Europäer, 
die an ein allzu gemächliches Tempo, an nicht sehr genaue 
Arbeit gewöhnt waren und die in Amerika schwer gute Posten 
fanden, über die dortigen Gewerkschaften fällten). »Wir müssen 
die technische Moral der Arbeiter aufbauen«, heißt es weiter 
in der Rede dieses alten, wahrhaft bewunderungswürdigen Textil- 
arbeiters ... Die Unternehmer, auch in der Textilindustrie, seien 
zuerst gegen das Mitreden der Arbeiter in Betriebsfragen gewesen, 
hätten aber längst den großen Vorteil erkannt, der ihnen aus der 
co-operation mit der Gewerkschaft und den shop-committees erwächst. 
Diese »Union Management Co-operation« (gewerkschaftliche Mit- 
arbeit an der Betriebsrationalisierung) wird auch von anderen Arbeiter- 
führern berichtet, so z. B. von der Typographischen Gewerkschaft, 
die mit dem Arbeitgeberverband — beide Gruppen müssen eben 
zunächst organisiert sein — einen Joint Conference Council (ge- 
meinsamen Beratungsausschuß) gebildet haben, dem je vier Unter- 
nehmer- und Arbeitervertreter angehören, welche acht Männer »sich 
um denselben Tisch versammeln und frei, ohne Haß und Leiden- 
schaft« die vielen Probleme diskutieren, an denen beide Gruppen 
»existenzinteressiert« sind; daraus hat sich ein goodwill gebildet, die 
Achtung vor der Meinung des andern. Hauptaufgabe ist auch hier: 
Verbesserungen der Betriebe, Beseitigung von Verlustquellen, außerdem 
ein Tarifvertrag, ein Schiedsgericht u. ä. Die Lösung einer schwierigen 
Aufgabe gelang dem Komitee auf friedlichem Wege: nach dem 
Kriege waren viele Betriebe »überausgestattet« mit Maschinen und 
Personal — man beschloß einstimmig (1919), die Arbeitswoche von 
48 auf 44 Stunden zu verkürzen. — Auch Vertreter der großen 
Eisenbahnunternehmungen konnten über erfolgreiche co-operation 
im Interesse der Rationalisierung der Betriebe Mitteilung machen. 
Leitung und Angestellte haben sich geeinigt, systematisch an der 
Beseitigung der Verlustquellen zu arbeiten und dadurch ihre gegen- 
seitigen Interessen zu fördern. »Nur durch planvolle Zusammenarbeit 
können die Arbeiter den gebührenden Anteil am gemeinsamen Produkt 
von Kapital und Arbeit erhalten«, »der Geist des Streiks, des Auf- 
ruhrs ist ansteckend — aber auch das Recht und anständiges Handeln 
sind ansteckend und hoffentlich auf die Dauer mehr als die ent-
	        
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