Object: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

438 
Pascal, 
einbarkeit hervor. Sein gedankliches Ringen besitzt nicht nur 
vereinzelte, psychologische Bedeutung; es wird zum allgemein- 
gültigen Symbol, an dem wir uns den Gegensatz der Zeitalter und 
den verschiedenen Wert, der dem Erkenntnisproblem in der 
mittelalterlichen und der neuen Weltansicht zukommt. zur An- 
schauuns bringen können. 
Ein Anhänger Descartes’ ist Pascal niemals in dem Sinne 
zewesen, dass er die entscheidenden Ergebnisse seiner Philo- 
sophie angenommen hätte. Den Widerspruch zwischen der 
modernen philosophischen Grundanschauung und dem Gehalt 
der Dogmen, an denen er festhält, hat er jederzeit erkannt und 
ausgesprochen. Auch die Uebereinstimmung zwischen Descartes. 
und Augustin wird dort, wo er sie zuerst berührt, von ihm als- 
vald auf ihr richtiges Maass eingeschränkt. Der Gedanke des. 
‚Cogito ergo sum“ ist nicht derselbe im Geiste Descartes’, wo 
ar die feste Stütze einer ganzen Physik und die Grundlage einer 
oewunderungswürdigen Reihe von Folgerungen ist, und im 
Geiste Augustins, für den jenes Prinzip nur ein einzelnes „Apercu“ 
bedeutet; — beides unterscheidet sich, wie ein Mensch, der voll 
von Leben und Kraft ist, sich von einem Toten unterscheidet.“‘) 
Fällt in diesem Vergleich — der einer frühen Schrift Pascals, 
Jer Abhandlung über den „Geist der Geometrie“ entstammt — 
alles Licht auf die Seite der Cartesischen Lehre, so sind es den- 
noch nicht die Folgerungen aus ihr, zu denen Pascal sich 
jekennt: es ist das'neue Forschungsideal, von dem er sich 
ergriffen fühlt. Nicht im Hinblick auf den materiellen Gehalt 
des Systems, sondern der intellektuellen Grundstimmung nach, 
aus der, es hervorgegangen ist, ist er Cartesianer. Ein Zeuge 
lieser Stimmung ist die einzige naturphilosophische Schrift, die 
wir von Pascal besitzen: das Fragment einer „Abhandlung über 
das Leere“, Die Grenzlinie zwischen der theologischen und 
historischen Forschung, die sich auf Ueberlieferung und somit 
auf Autorität stützen muss, und dem Verfahren der theoretischen 
Naturwissenschaft, das keinen andern Richter über sich ale Ver-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.